2.1.3

Biotische Faktoren

  Parasitismus - Blattläuse

Wir haben schon in der Einführung einige biotische Faktoren ansgesprochen: Konkurrenz, Nahrungsangebot und Fortpflanzungsfähigkeit. Es geht also um die Wechselwirkungen der Lebewesen untereinander. Dazu gibt es unzählige weitere Beispiele.

Gehen wir zu den Insekten, den Herrschern dieser Biosphäre aus biologischer Sicht. Der Mensch ist mit 1 Spezies und einer globalen Population von ca. 6 000 000 000 ( 6 x 109) Individuen gegenüber den Insekten mit ca. 8 x 106 Arten ( davon sind mehr als 1 000 000 beschrieben) und einer geschätzten Gesamtpopulation von > 1030 unscheinbar. 85% aller Tiere sind Insekten!

Darunter gibt es ca. 4500 Arten der Aphidoidae (Läuse), die ebenfalls global in den nördlichen Biomen leben. Blattläuse fügen der Agrarwirtschaft weltweit extremen Schaden zu, da sie als Schädlinge nahezu alle Zimmerpflanzen, Gemüsepflanzen, Obstbäume, Getreidepflanzen usw. befallen.
Die verschiedenen Arten sind relativ wirtspflanzenspezifisch. Blattläuse sind zwischen 1-6 mm lang, besitzen einen tropfenförmigen Körper, der schwarz, grau, rot, orange. gelb, grün, braun, blaugrün und weiß sein kann.
Es gibt unbeflügelte und beflügelte Blattläuse. Sie gehören zu den saugenden /stechenden Insekten, die die Pflanzenteile anstechen und den Zellsaft aussaugen. Eine häufige ursprünglich europäische Art ist die grüne Pfirsichblattlaus (Myzus persicae) Abb. 37.

Der Entwicklungszyklus der Blattläuse ist etwas ungewöhnlich. Sie haben wie alle Insekten eine Metamorphose und pflanzen sich sexuell und abwechselnd die Weibchen asexuell durch Jungfernzeugung (Parthenogenese) fort. Dadurch entstehen junge Weibchen (Nymphen). Der Lebenszyklus beträgt 5-6 Tage. So entstehen pro Jahr ca. 50 Generationen. Die allgemein bekannte explosionsartige Vermehrung geschieht im Frühjahr und Sommer durch die Parthenogenese, bei der pro Tag von jeder Blattlaus mehrere Wochen lang 6 voll ausgebildete Jungen (b) produziert werden. Zwischendurch entstehen geflügelte Formen die den Wirt wechseln können.

Bis zum Ende einer Saison können so aus einer Blattlaus 1,560,000,000,000,000,000,000,000,000 (1,56 x 1027) Läuse entstehen.

Wer weitere Blattläuse ( ELMI-Bilder) sehen möchte kann hier anklicken: Battlaus-Gallerie?

Wir sehen hier also eine Vermehrungsfähigkeit die wohl allen Änderungen der Umwelt standhält.

Ihre Lebensweise ist weiterhin parasitisch nur zu ihrem Nutzen. Der Wirt (die Pflanze) geht dabei zugrunde.
(Mehr zu Parasitismus auf der nächsten Seite)

Blattläuse nehmen mehr Pflanzensaft auf, als sie verdauen können. Sie scheiden den Überschuß in Form eines süßen, zuckerhaltigen Saftes: Honigtau aus. Dieser ergibt dann auf den Blättern und Stengeln einen Belag, der zu weiteren Wechselwirkungen führt. Im Honigtau gedeiht nämlich ein Pilz (Rußtaupilz), der die Blätter schwarz und dreckig erscheinen läßt. Weiterhin lockt er Ameisen an, die sich ebenfalls von ihm ernähren.

Die Ameisen bearbeiten ("melken") die Blattläuse, sodaß diese schneller saugen und mehr Honigtau produzieren. Sie schützen sie vor ihren Feinden und quartieren sie und ihre Eier sogar auf neue Wirtspflanzen um.

Diese Wechselbeziehung zu beiderlei Nutzen nennt man Mutualismus.

Die meisten Blattlauspopulationen werden durch abiotische Faktoren wie große Winde, schwere Regenfälle und extreme Temperaturen und ihre natürlichen Feinden (biotischer Faktor) gesteuert.

Feinde sind z. B.

  • Marienkäfer (z.B. Coccinella septempunctat) und seine Larven,
  • Florfliegen (Chrysoperla carnea), Larven der Räuberischen Gallmücke (Aphidoletes aphidimyza), Schwebfliegen ( Episyrphus balteatus)
  • Schlupfwespen () u.a.
  • parasitische Pilze.

Marienkäfer ernähern sich von Blattläusen (ca. 150/Tag). Sie gehören mit ihren Larven (rechts unten) zu den wichtigsten Freßfeinden. Am bekanntesten ist der Siebenpunkt: Coccinella septempunctat .

Florfliegen ( z. B. Chrysoperla carnea) und ihre Larven ernähren sich ebenfalls von Blattläusen (ca. 125/Woche).

Schlupfwespen (Aphidius matricariae) töten Blattläuse auf andere Art: sie benutzen sie zur Eiablage. Sie legen mit ihrem Legestachel ein oder mehrere Eier in die Läuse (Wirtstiere; Parasitierung). Die ausschlüpfenden Larven leben im Inneren der Läuse (Endoparasiten) und fressen sie von innen her auf. Nach der Verpuppung schlüpft die Wespe aus, in dem sie ein Loch in den Rücken der Blattlaus schneidet. Parasitierte Blattläuse sind an ihrer Verfärbung und Aufblähung gut zu erkennen. (siehe Abb. 41 und unten)

Pilze können Blattläuse ebenfalls parasitieren. (siehe Abb. 42)

Zum Schluß sei noch auf eine weitere Wechselwirkung der Blattläuse mit anderen Lebewesen hingewiesen.

Blattläuse übertragen Viren auf Pflanzen. Besonders gefährlich ist die Grüne Pfirsichblattlaus, die über 100 Virusarten übertragen kann.

Fassen wir die Wechselwirkungen noch einmal zusammen:

 

 

 

 

 

Abb. 35
Artenvielfalt

 

 

 

 

 

 

Abb. 36
Blattläuse

 

Abb. 37
grüne Blattlaus

 

Abb. 38
Lebenszyklus der Blattläuse
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Abb. 39

Ameisen und Blattläuse
Mutualismus


 

Abb. 40
Freßfeinde der Blattläuse


Coccinella septempunctat

räuberische Gallmückenlarve

Florfliege Chrysoperla carnea


Abb. 41
Feinde der Blattläuse


Schlupfwespe Aphidius matricariae

 

 

 

Abb. 42

Blattlaus mit Pilzbefall


 

Weiterführende Quellen:

Blattläuse:

http://aggie-horticulture.tamu.edu/greenhouse/pest/bdaphid.html
http://www.uky.edu/Agriculture/Entomology/entfacts/fldcrops/ef103.htm

Rosenblattlaus:

http://markw.com/critter.htm

Gallmücke:

http://www.nysaes.cornell.edu/ent/biocontrol/predators/aphidoletes.html

Arthropoden:

http://www.ucmp.berkeley.edu/arthropoda/arthropoda.html

Biologische Schädlingsbekämpfung:

http://www.nysaes.cornell.edu/ent/biocontrol/