3.4 Evolution des Menschen
3.4.1 Biologische Klassifizierung und Besonderheiten des Menschen

Nach der Auslöschung der Saurier am Ende der Kreidezeit (vor 65 MJ) begann, wie zuvor schon erwähnt die Radiation der Säugetiere und Vögel, die nun die leeren ökologischen Nischen der Saurier besetzten. In diesem Zeitalter, dem Tertiär liegt auch der Ursprung der heutigen Menschen.
   



Biologische Klassifizierung und Besonderheiten des Menschen

Die Wissenschaft, die sich mit dem Menschen beschäftigt heißt Anthropologie.

Menschen sind dem Stamm der Vertebrata (=Wirbeltiere) und den Amniota entsprungen (siehe Carbon), zu denen neben den Amphibien, Reptilien und Vögeln auch die Klasse der Mammalia (= Säugetiere) gehören.

Die Säugetiere sind aus den synapsiden (siehe hier) Reptilien hervorgegangen. Zu den Mammalia gehören die Monotremata (= eierlegende Säugetiere), die Marsupialia (= Beuteltiere) und die Eutheria (= Plazentatiere, echte Säugetiere). Die echten Säugetiere waren bereits vorhanden, als die Dinosaurier ausstarben.

Sie spalteten sich im Tertiär in eine Vielzahl von Ordnungen auf, von denen wir schon einige wie die Perissodactyla, die Proboscidea und die Odontoceti kennengelernt haben. Zur Ordnung der Säugetiere gehören auch die Primaten (Herrentiere, heute ca. 190 Spezies). Die genau Zuordnung der Menschen zu den Primaten ist unten rechts zusammengestellt. In Abb. 61 ist die Entwicklung der Primaten den letzen 100 Millionen Jahren ersichtlich.

Oben ist ein Stammbaum der Primaten dargestellt

Ordnung: Primates
Unterordnung: Prosimiae (Halbaffen)
 
Infraordnung: Tupaiformes (Spitzhörnchen)
Infraordnung: Lemuriformes (Lemuren, Makis, Fingertier) 
Infraordnung: Lorisiformes (Loris, Galago)
Infraordnung: Tarsiiformes (Koboldmaki)
Unterordnung: Simiae (Affen)
  Infraordnung:Plathyrrhina (Neuweltaffen)
Infraordnung:
Catarrhina (Altweltaffen, Menschen, Gr. Affen, Gibbons)
  Familie: Parapithecoidea + (fossil)
Familie: Cercopithecoidea (Tieraffen, Hundsaffen i.w.S.)
  Familie: Hominoidea (Menschenaffen und Mensch)
 

Unterfamilie: Dryopithecinae, Oreopithecidae + (fossil)
Unterfamilie: Hylobatidae (Gibbon, Siamang)
Unterfamilie: Hominidae (große Menschenaffen und Mensch)

  Gattung: Pongo (Orang Utans)
Gattung: Gorillas (Gorilla)
Gattung: Pan (Schimpanse; Bonobo)
Gattung: Homo (Menschen)
    Spezies: Homo sapiens
http://www.biologie.uni-regensburg.de/Zoologie/Schneuwly/Hofbauer/Hubio/hubi11.htm

Der Mensch ist eng mit den rezenten Primaten Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans verwandt. Darauf deuten Ergebnisse der Primatenforschung und DNS-Analyse mit dem Vergleich von Menschenaffen und Mensch hin. (Unterschied: 1,6%, Gorilla: 2,3%, Orang-Utan: 3,6%). (Sibley und Ahlquist, The Journal of Molecular Evolution, 30:202-236, 1990) Der obige Stammbaum ist deshalb von dem nach körperlichem Merkmalen etwas unterschiedlich. Schimpansen und Gorillas haben 48 Chromosomen, wir 46. Mit den Schimpansen teilen wir auch das Blutgruppensystem ABO.

Diese Abstammung deckt sich mit der Feststellung Darwins in seinem Buch "The Descent of Man" (1871), daß der Mensch von affenähnlichen Vorfahren abstamme. Dies führte damals zu weltweiten Kontroversen.

Wir sind Mitglied der Gattung Homo mit dem exakten Namen Homo sapiens sapiens.

Schon immer hat man den Menschen als ein besonderes Lebewesen angesehen. Dabei sind seine körperlichen Fähigkeiten im Vergleich zu anderen Tieren meist mittelmäßig oder denen unterlegen.

Jeder Hund ist dem Menschen in Sachen Hören und Riechen deutlich überlegen. Greifvögel können, wie jeder weiß fliegen und ihr Auge hat eine weit höhere Auflösung als das des Menschen. Eine Fledermaus oder ein Koboldmaki bewegt sich sicher bei totaler Dunkelheit. Einige pazifischen Rochenarten orten mit ihrem elektrischen Feld Freund und Feind. Diese Liste kann man nahezu endlos weiterführen.

Als besonderes Merkmal wird unter anderem der aufrechte Gang bzw. die Zweibeinigkeit angesehen. Diese Eigenschaften besaßen allerdings schon viele Dinosaurier und Pterosaurier vor 200 Millionen Jahren und ihre Nachfahren, die Vögel.

Die Menschen und Menschenaffen unterscheiden sich von allen anderen Primaten durch das Fehlen eines Schwanzes. Weiterhin sind sie intelligenter und mehr davon abhängig, für ihr Überleben Verhaltensmuster zu erlernen.

Die heutigen Primaten Menschen leben mit Ausnahme des Menschen alle in subtropischen und tropischen Biomen der alten und neuen Welt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 60

phylogenetische Abstammung des Menschen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 61

Stammbaum der Primaten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 62

Cladogramm der Hominiden

 

 

 

Abb. 63

überlegene Fähigkeiten bei Tieren

 

 

Abb. 64

Evolution aufrechter Gang

 

 

 

Primaten sind allgemein clever, lebendig und sehr erfolgreich in der Anpassung an die Umwelt. Körperlich sind sie eher unspezialisiert im Vergleich zu anderen Tieren. Sie können nicht besonders gut riechen, hören oder besonders schnell laufen und sie sind auch keine besonders erfolgreichen Jäger. Auch fliegen können sie nicht. Alle Primaten sind pentadactyl (5 Finger/Hand und Fuß). Jedoch ihre Hände und Finger sind speziell dafür ausgebildet, komplexe Objekte zu manipulieren. Dazu besitzen sie auch sehr empfindliche Fingerkuppen und flache Nägel.

Alle Primaten haben eine bemerkenswerte Tendenz zur aufrechten Körperhaltung. Dies kann beim Stehen, Sitzen und ihrem zeitweiligen aufrechten Gang beobachtet werden.
Ihre Schultergelenke sind sehr flexibel, was sie zu guten Kletterern macht. Die Primatenevolution ist ebenfalls durch eine Reduktion der Schnauze und der Geruchsbereiche des Gehirns gekennzeichnet. Dagegen sind ihre visuellen Fähigkeiten besonders ausgebildet in Richtung Farbensehen und 3D-Wahrnehmung.

Im Vergleich zu fast allen anderen Tierarten ist das Gehirn bei den Primaten relativ groß zur Körpergröße. (links das Gehirn eines Schimpansen (Pan trogladytes) im Vergleich zum menschlichen Gehirn.


Die Gehirne der Menschenaffen haben deutlich mehr Volumen und eine größere Oberfläche als die von z. B. Hund und Katze. Bemerkenswert ist das große Gehirnvolumen des Delphins. Die Gehirnbereiche für manuelle Bewegung, Auge-Hand- Koordination und und binokulares Sehen sind beim Primatengehirn besonders vergrößert. Primaten haben eine lange Trächtigkeit und Kindesentwicklung und die Bemutterung ist extensiv. Deshalb ist die Anzahl der Nachkommen gering. Mehrlingsgeburten sind selten. Auch leben Primaten ungewöhnlich lange.
Im Gegensatz zu den Primaten leben wir nicht hauptsächlich auf Bäumen sondern ausschließlich am Boden. Gemeinsam haben wir wieder mit den meisten den Tag und Nachtrhythmus und Aktivität am Tag.

Der Mensch ist wie alle Primaten besonders sozial. Den größten Teil seiner Zeit verbringt er mit anderen zusammen. Dazu sind besondere Kommunikationsformen notwendig wie Sprache und Gesten.
Eine Entwicklungstentenz war die Umgestaltung des Schädels mit einer Verlängerung des Rachens und Absenkung des Kehlkopfes. Als Folge konnte die Zunge vor-, zurück- auf- und abbewegt werden womit unterschiedliche Hohlräume geschaffen wurden. Ein Nachteil dieser Entwicklung ist, daß die Luft und Nahrungswege nun sich kreuzen, wodurch beim Schlucken Probleme erwachsen können. Da diese Entwicklung bei den Menschenaffen nicht stattgefunden hat, können sie nicht sprechen und nicht singen.

Die menschliche Kommunikation beruht wesentlich mehr als bei den anderen Primaten auf Tönen. Unsere Sprachen sind komplexe symbolische Systeme, denen unser Gehirn eine spezifische Bedeutung zuweist.

Auch die gegenseitige Pflege und Befriedigung psychologischer Bedürfnisse sind Merkmale. Die nachtaktiven Primaten sind das nicht.
Bezüglich der Nahrung sind die Primaten sehr flexibel. Die meisten sind Allesfresser, obwohl die pflanzliche Nahrung den Hauptteil ausmacht.

Zusammenfassung der Evolutionstendenzen im Tertiär und Quartär bei den Primaten und Hominiden
  • Verlagerung des Körperschwerpunkts auf die Hinterextremitäten
  • Entwicklung von Greifhänden
  • Starke Betonung des Gesichtssinnes
  • Farbensehen, Räumliches Sehen
  • Fortpflanzungsstrategie: Wenig Junge, dafür hohe Investition in die Nachkommen
  • Der aufrechte Gang mit umfangreicher Umgestaltung des Skeletts
  • Vergrößerung des Gehirnvolumens
  • Entwicklung der Sprache
  • umfangreiche Kommunikationsfähigkeit
  • intellektueller Fähigkeiten und Moral
 
Abb. 65

Verbreitung der Primaten außer den Menschen

 

 

Abb. 66

Vergleich Primatenhände

Gorilla

 

Abb. 67

Vergleich Gehirne

 

Oben die Gehirne von Gorilla gorilla, Tursiops truncatus (Delphin), Canis familiaris (Beagle-Hund), Felis catus (Katze)

 

Abb. 68

Vergleich Schädel
Schimpanse - Mensch

 

 

 

 

 

Abb. 69

menschliche Kommunikation

 

 


Weiterführende Quellen:

Evolution

http://rainbow.ldeo.columbia.edu/courses/v1001/6.html
http://www.iup.edu/~rgendron/bi112-a.htmlx
http://www.nap.edu/readingroom/books/evolution98/contents.html
HTTP://biology.fullerton.edu/courses/biol_404/web/hol/hol_ch1.html

Evolution des Menschen

http://www.indiana.edu/~origins/links/evolinks.html
http://users.ox.ac.uk/~newc0607/evlink/evlink.html
http://www.biologie.uni-regensburg.de/Zoologie/Schneuwly/Hofbauer/Frame/sethb1.htm
http://www.wsu.edu:8001/vwsu/gened/learn-modules/top_longfor/lfopen-index.html
http://www.leeds.ac.uk/chb/humbmods.html
http://www.indiana.edu/~origins/
http://www.amnh.org/enews/anthro.html
http://www.mc.maricopa.edu/anthro/exploratorium/hominid_journey/central.html
http://www.geocities.com/Athens/Acropolis/5579/TA2.html
http://www.sscf.ucsb.edu/~hagen/crania/#
http://evolution.rutgers.edu/
http://www.anth.ucsb.edu/projects/human/#

http://www.pnas.org/cgi/content/full/100/12/7181
http://tolweb.org/tree?group=Hominidae&contgroup=Catarrhini

Taxonomie der Primaten http://daphne.palomar.edu/primate/
http://www.mc.maricopa.edu/academic/cult_sci/anthro/exploratorium/primates/
Sibley und Ahlquist und Kritik http://socrates.berkeley.edu/~jonmarks/dnahyb1.html
http://socrates.berkeley.edu/~jonmarks/dnahyb2.html
Neandertaler http://thunder.indstate.edu/~ramanank/index.html
http://www.neanderthal.de/
Primaten http://home.t-online.de/home/othmar.bahner/system.htm
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http://www.neurophys.wisc.edu/brain/specimens/primates/index.html
Anatomie des Kehlkopfes http://www.informatik.uni-frankfurt.de/~ifb/exphon/ss97/kehlkpf2.html

Skelett

http://www.eskeletons.org/
http://www.csuchico.edu/anth/Module/skull.html

Gehirne der Säugetiere http://www.neurophys.wisc.edu/brain/

Karten der Erde der Vorzeit

http://www.scotese.com/

Erdgeschichte, Geologie

http://pubs.usgs.gov/gip/geotime/contents.html