| Ursachen der Evolution
als reale Widersprüche
zu den Annahmen der Hardy-Weinberg-Regel |
Das Hardy-Weinberg Gleichgewicht zeigt uns:
1. Solange zufällige Paarung
herrscht bleiben die Genfrequenzen unverändert.
2. Wir haben ein Werkzeug die Allelfrequenzen zu berechnen, wenn
wir die Genotyp-Frequenzen kennen.
Da Punkt 1 gilt, muß es einen anderen Grund
für die Änderung der Genfrequenzen geben, nämlich:
- Mutation
- Wanderung und Genfluß
- Gendrift oder "sampling
error"
- nicht zufällige
Paarung
- natürliche Selektion
Mutation
Zum Thema Mutation findet man fast
alles hier! Die Mutationsrate µ ist ziemlich niedrig und variiert
beim Menschen zwischen 1 in 10,000 und 1 in 1 Million Gene innerhalb
eines Gameten/Generation.
(µ =Mutationsrate) =
n/2N bei der n = Anzahl der betroffenen Personen mit einem nichtbetroffenen
Elternteil und 2N = Gesamtzahl der Geburten ist. )
Das bedeutet, man braucht Hunderte bis Millionen
von Jahren, bis es sich in der Population auswirkt. Die
Bedeutung der Mutation ist also nicht die Änderung der Genfrequenz
sondern des Einbringens neuen genetischen Materials.
Abwanderung und Genfluß
Nehmen wir an, es herrscht
eine Wanderung von einer Population in eine andere derselben Art
und die Frequenzen p
und q
sind in den beiden Populationen unterschiedlich. Als ein Beispiel
nehmen wir an, daß m die Fraktion der Population ist,
aus der Population B in einer gegebenen Zeit eingewandert ist.
Die Änderung der Genfrequenz
in dieser Zeit D
q = -m(qA
- qB).
Wenn qA
= 0.1, qB = 0.4, und m
= 0.2 (20% pro Zeiteinheit), ist Dq,
die Änderung in q, =
-0.2(0.1-0.4) = +0.06.
qA hat sich also von 0.10 auf 0.16
vergrößert, eine Änderung um 60%.
Eine enorme Veränderung!
(Man beachte, daß der Effekt von m
und der Unterschied zwischen den Genfrequenzen in den beiden Populationen
multiplikativ ist) Ob der Genfluß bedeutsam ist hängt
von der Empfänger-Population und der Menge der eingewanderten
Gene ab.
Gendrift
Gendrift ist
eine Veränderung der Genfrequenzen als Folge der wahrscheinlichen
Abweichung vom erwarteten Ergebnis. Man kennt die 2 Formen: Falschenhals-
und Gründer-Gendrift.
Betrachten wir eine kleine Population von Leuten,
die isoliert von anderen menschlichen Populationen leben. In solch
einer kleinen Population gibt es vielleicht nur einen Überträger
für das Albino-Allel. (oder sogar gar keinen). Nehmen wir an,
dieser Genträger stirbt vor der Fortpflanzung oder gibt zufällig
bei der Vermehrung dieses Gen nicht weiter, so geht das Allel in
der Population verloren!
Deshalb gibt es in kleinen Populationen zufällige Fluktuationen
in den Gen-Frequenzen. Je kleiner die Population, desto größer
die Wahrscheinlichkeit der relativen Änderung von Generation
zu Generation.
In unserem Beispiel verursachte eine der Fluktuationen ein Aussterben
eines bestimmten Gens (nennen wir es a).
(Die Genfrequenz des anderen Allels (A) wird 1!)

In Abb. 39 ist eine
Computersimulation abgebildet ,die den Verlauf der Gendrift
über die Generationen zeigt. Dabei ist q= die Frequenz des
Allels a gegen die Zeit in Generationen aufgetragen. Eine kontinuierliche
Drift gegen ein Extrem gibt es nicht.
Oft stellt man Oszillationen (Höhen/Tiefen) fest, bevor eine
zufällige Änderung ein bestimmtes Allel verstärkt
oder verschwinden läßt.
Ein mathematisches Beispiel:
Wirft man eine Münze 1000 mal, erhält
man wahrscheinlich ziemlich genau 500 mal Kopf und 500 mal Zahl.
Nimmt man 100 Münzen und wirft jede 10 mal, erhält man
oft als Ergebnis Kopf/Zahl = 5:5, 4:6 und 6:4, aber man erhält
ebenfalls 7:3, 8:2 und gelegentlich sogar 0:10 und 10:0.
Je kleiner die Probe, desto größer
die Wahrscheinlichkeit zur Abweichung vom erwarteten 50:50 Verhältnis.
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