|
Nach diesem überwältigenden Überblick
über paläontologische Fakten versuchen wir mal wesentliche
Prinzipien herauszufiltern:
- Die
Evolution der Organismen verlief vom Wasser zum Land.
- Zunächst traten einfache,
dann komplizierte Lebewesen auf.
- Die Enwicklung verlief
von Wirbellosen über Fische, Amphibien, Reptilien zu den
Säugern und Vögeln. Man kennt sehr viele Zwischenstufen
der Entwicklung.
- Fossilien lassen sich
zwanglos ins natürliche System einordnen.
- Alle Organismen aller
Zeiten besaßen den bekannten Zellaufbau, bestanden aus den
bekannten biologisch relevanten Substanzen und führten die
bekannten Stoffwechselwege aus. Wichtige Stoffwechselwege wie
Photosynthese und Zellatmung sind sehr alt.
- Die jüngsten Organismen
besitzen Merkmale der ältesten.
- Die Evolution benötigt
genügend lange Zeit ( z. B. Millionen Jahre)
- Evolution ist zunächst
nicht gerichtet sondern radiativ.
- Während der Evolution
gab es mehrere große, weltumspannende Katastrophen
Wie
wir durch die Fakten der Paläontologie gesehen haben, ist Evolution
ein Prozess, der zu vererbbaren Veränderungen in einer Population
führt und sich über viele Generationen hinzieht.
|
Eine Population
ist eine Gruppe von Individuen, die zur selben Zeit am selben
Ort lebt und sich miteinander fortpflanzen kann. (z.B. ein
Rudel Wölfe) Alle Gene innerhalb der Population nennt
man Genpool.
|
An der Ausbreitung von Viren mit ihren extrem hohen Vermehrungsraten
und schnellen Generationszeiten kann man heute evolutionäre
Prinzipien beobachten. Normalerweise
kann innerhalb von 10 000 Jahren (dh. ca. 400 menschlichen Generationen)
kaum Evolution beobachtet werden, in 100 000 Jahren (= 4000 Generationen)
schon!
Die Idee, daß das sich das Leben auf der
Erde langsam entwickelt hat wurde im Europa des späten 17.
und frühen 18. Jahrhundert oft diskutiert. Charles
Darwin beobachtete auf einer seiner vielen Reisen im Hochland
der Anden Fossilien und die Bildung der Korallenriffe in der Südsee.
Zusammen mit den Erkenntnissen von Lyell gewann er die Einsicht,
daß die Evolution sehr langsam und stufenweise stattgefunden
haben muß.
1859 präsentierte er einen Mechanismus, genannt: natürliche
Selektion, der erklären konnte, wie Evolution entsteht.
Darwins Theorie der natürlichen Selektion half die meisten
Leute zu überzeugen, daß sich das Leben entwickelt hat
und dies hat sich in letzten 140 Jahren nicht geändert.
3.3.1 Darwin's Theorie
der natürlichen Selektion.
Tatsache Nr. 1-
Die Spezies produzieren mehr Nachkommen als zum Überleben nötig
Tatsache Nr. 2
- Individuen sind einzigartig. Es gibt jedoch eine phänotypische
Variation der Individuen.
Tatsache Nr. 3
-
Einige Ursachen der Variation sind erblich, nicht alle.
Tatsache Nr. 4
- In der realen Welt sind die Resourcen knapp. Deshalb muß
es einen Kampf ums Dasein geben. Die an die Umgebung besser angepaßten
Individuen überleben.
Tatsache Nr. 5
- Neue Arten bilden sich durch Isolation

Diese Tatsachen brachten Darwin dazu,
zu folgern, daß Evolution langsam durch natürliche
Selektion geschieht.
Die Selektion
bevorzugter Varianten erklärt viele Beobachtungen der Tier
und Pflanzengeographie, z.B. warum Mitglieder derselben Vogelspezies
größer oder dunkler im nördlicheren Verbreitungsgebiet
sind .
Seit Darwin haben wir jedoch viel gelernt.
Neue Wissenschaften, wie die Biochemie, Genetik und Populationsbiologie
haben in diesem Jahrhundert neue Horizonte eröffnet, so daß
es zu der gefälligen Selektionstheorie inzwischen Ergänzungen
gibt. Diese Neodarwinistischen
Theorien verweisen auf die Mutation,
Rekombination und die
Variation in einer Population als wichtige
Evolutionsfaktoren hin.
3.3.2 Moderne Theorien
1937 veröffentlichte Dobzhansky,
der mit T. H Morgan zusammengearbeitet
hat( beide entdeckten Gen- und Chromosomenmutationen bei Drosophila)
"Genetics and the Origin of Species". Ein weiterer Meilenstein
war 1943 die Entdeckung von S. E.
Luria und M. Delbrück
über zufällige Resistenzmutationen bei Bakterienpopulation.
Durch Mutation
einstehen also neue Genvarianten. Die Rekombination
der Gene durch die Meiose sorgt so für eine unbegrenzte
Anzahl von Genotypen und Phänotypen. Zufall und kleine Variationen
bei dieser Rekombination sind notwendig für die natürliche
Selektion.
Danach ist Evolution eine Änderung der Genfrequenzen im
Genpool einer Population.
3.3.2.1 Ursachen der genetischen Variation:
Warum ist die genetische Variation so wichtig?
Weil neues genetisches Material die Chance zum evolutiven Wandel
ermöglicht.
Falls dabei Individuen mit besserer Anpassung
( bessere Überlebenschance und Nachkommensproduktion) entstehen,
sorgt die Selektion für mehr Nachkommen und Evolution geschieht.
Das Vorhandensein neuen genetischen Materials ist eine der ersten
Voraussetzungen für die Evolutionsrate.
3.3.2.2 Kräfte, die eine Änderung
der Genfrequenzen (= Mikroevolution)
in einer Population hervorrufen
(Genfrequenz = Häufigkeit eines Gens
in der Population)

Mit dieser Frage beschäftigt sich seit ca.
1920 die Populationsgenetik.
Beispiel:
Ein Beispiel sind die menschlichen Blutgruppen:
A, B, AB und
O.
Wir wissen, daß diese Blutgruppen durch 3 Allele an einem
einzigen Genort bestimmt werden. (siehe
hier)
| |
Blutgruppen
|
|
Phänotyp
|
A
|
B
|
AB
|
O
|
|
Genotyp
|
AA oder AO
|
BB oder BO
|
AB
|
OO
|
Durch den Präzipitationstest
können wir die Frequenz jedes Allels bestimmen. In verschiedenen
Populationen treten sie in unterschiedlichen Frequenzen auf.. Z.
B.:
| |
A
|
B
|
O
|
|
Russen
|
23.8%
|
17.2%
|
59.0%
|
|
US weiß
|
24.6%
|
7.3%
|
68.2%
|
|
Navahos
|
16.7%
|
0.1%
|
83.2%
|
|
BRD
|
43%
|
9,7%
|
43,6 %
|
Dieses Beispiel zeigt 2 wichtige Konzepte
der Populationsgenetik:
- Die Population ist polymorph,
d.h. die Population besitzt mehr als ein Allel am Genort.
- Die Allelfrequenzen sind ungleich und
variieren von geographischem Bereich zu Bereich.
Daraus resultiert die Frage, was für die
geographische Variation der Allelfrequenzen verantwortlich sein
könnte.
3.3.2.3 Hardy-Weinberg
Gleichgewicht
Ein grundsätzliches Prinzip der Populationsgenetik
ist das Hardy-Weinberg Prinzip. Dieses sagt folgendes aus:
In einer großen Population
mit zufälliger Paarung und ohne populationsverändernde
Einflüsse bleibt das Allelverhältnis eines gegebenen
Genortes konstant.
(keine Mutation, keine Zu- und Abwanderung,
keine natürliche Selektion)
|
Das HARDY-WEINBERG
Gesetz, 1908 entwickelt, ist eine algebraische Formel, um
die relative Häufigkeit eines dominanten oder rezessiven
Gens in einer Population zu berechnen.
p2 + 2pq + q2=1
mit
- p = Genfrequenz des dominanten Allels
in einer Population
- q = Genfrequenz des rezessiven Allels
in einer Population und
- p + q = 1
Online-Simulation: http://www.bio.psu.edu/People/GradStud/Hayes/Java/
(Java)
|
In einem
solchen idealen System gibt es keine Evolution!
Beispiel 1:
Angenommen wir beginnen mit einem
2-Allelsystem mit den Allelfrequenzen
p und q.
|
Allele
|
B
|
b
|
p2 (BB) + 2pq (Bb) + q2
(bb) = 1
|
|
Frequenz
|
p
|
q
|
In diesem einfachen Fall ist p
+ q = 1.
p = 0.7, q
= 0.3, und lassen wir mal die Individuen sich zufällig paaren.
Wie viele Individuen jeden Genotyps erwarten wir?
BB =
0.7 x 0.7 = 0.49
aa
= 0.3 x 0.3 = 0.09
Und was ist mit Bb?
Es gibt 2 Möglichkeiten diesen Genotyp zu erzeugen: B
x b oder b
x B
Bb =
(0.3 x 0.7) + (0.7 x 0.3) = 0.42
Die Summe der 3 Frequenzen ist: 0.49 + 0.09 +
0.42 = 1.0
Die Gesamtfrequenz muß 1,0 sein, egal
ob Allel-Frequenz oder Genotyp-Frequenz.
In der nächsten Generation ist die Genotyp-Frequenz:
|
BB
|
Aa
|
aa
|
Summe
|
|
0.49
|
0.42
|
0.09
|
1.0
|
Wie ist die Allelfrequenz
dieser Generation? Die Frequenz von A ist 0.49 + 1/2
(0.42) = 0.7, genau wie in der vorigen Generation. Und die Frequenz
von b ist 0.09 + 1/2 (0.42) = 0.3.
Tatsächlich bleiben die Genfrequenzen immer
konstant (zufällige Paarung).
Beispiel 2:
Albinismus ist eine rezessive Erbkrankheit (siehe links). Von
20,000 Individuen ist 1 ein Albino.
Deshalb ist q2 = 1/20,000 und so
q =ca. 1/141=0,007 = Albino-Allelfrequenz (rezessiv).
Nach dem Hardy-Weinberg Gleichgewicht trägt 1 von 141
Spermas oder Eizellen das rezessive Gen für Albinismus.
da p
= 1 - q ---> p
= 1 - 0,007 ----> p = .993
Gesunde-Allelfrequenz (dominant)
p² + 2pq + q² = 1
(0,993)² + 2 (0,993)(0,007) + (0,007)² = 1
0,98605 + 0,01399 + 0,00005 = 1
Durch Einsetzten in die Hardy-Weinberg-Formel ergibt
sich die Frequenz der 3 Genotypen der Population:
p²
= homozygot dominante Individen = .98605 = 98.6%
2pq
= Frequenz der heterozygote Individuen = .01399 = 1.4%
q²
= Frequenz der homozygot rezessiven Individuen ( Albinos) = .00005
= .005%
(Übungen mit der Klasse zum Hardy-Weinberg-Gleichgewicht
: http://www.accessexcellence.org/AE/AEPC/WWC/1995/hardyweinberg.html
oder
http://www.accessexcellence.org/AE/AEPC/WWC/1994/easy.html)
|