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Neben Anomalien der Autosomen kennt man auch solche
bei den Gonosomen. Man spricht auch von Geschlechtsanomalien.
Sie sind recht häufig, da sie meist keine Letalfaktoren bewirken.
Diese Anomalien sind geschlechtsspezifisch.
Weibliche Abnormalitäten beruhen auf Variationen der Anzahl
der X-Chromosomen. Bei den Männern können sowohl das X
als auch das Y-Chromosom oder beide in irregulärer Anzahl vorliegen.
Weibliche Anomalien dieser Art sind:
- Turner
Syndrom: 45, X0 (Häufigkeit: 1: 3000 -5000) das 2. X-Chromosom
fehlt
- Poly-X-Syndrom:
zusätzliche X-Chromosomen z.B 47, XXX Triple X (1: 1000)
Männliche Anomalien sind:
- Klinefelter
Syndrom: 47, XXY oder selten 48, XXXY, 49, XXXXY
und das Mosaik XY/XXY (1: 500-1000)
- XYY Syndrom,
47, XYY (1: 500-2000)
| Turner
Syndrom (gehen Sie auf das Bild rechts,
um das Karyogramm zu sehen) |
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Genotyp:
Das Turner
Syndrom tritt auf, wenn Frauen nur
ein X-Chromosom geerbt haben. Ihr Genotyp
ist damit X0.
Phänotyp:
Diese Individuen besitzen eine kleine Statur
(ca. 140 cm) und haben oft extra Falten im Halsbereich, schmale
Kiefer und hohe gebogene Gaumen. Man findet im allgemeinen keine
sekundären Geschlechtsmerkmale. Sie besitzen außerordentlich
kleine, weit auseinanderliegende Brüste und nicht ovulationsfähige
Ovarien, also sind steril. Die Krankheit ist selten. Bei früher
Diagnose kann durch Gabe von Wachstumshormon die Körpergröße
beinflußt werden. Auch die Verabreichung von Östrogenen
in der Pubertät verbessert die sexuelle Entwicklung.
Genotyp:
Triple-X Frauen, erben 3 X
Chromosomen; ihr Genotyp ist
XXX.
Phänotyp:
Als Erwachsene sind diese Individuen meist im Mittel 2-3 cm kleiner
als genetisch normale Frauen, besitzen ungewöhnlich lange Beine
und eine schlanken Körper. Sie entwickeln sich sexuell normal
und sind fruchtbar. Allerdings ist ihre Intelligenz im unteren Bereich
der Intelligenz. Diese Anomalie tritt gewöhnlich bei Schwangerschaften
älterer Mütter auf und ist recht selten mit einer Häufigkeit
von 1 in 1,000 Mädchen.
| Klinefelter
Syndrom (klicken
Sie auf Karyotyp, um das Karyogramm zu sehen) |
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Genotyp:
Männer mit Klinefelter Syndrom haben
ein oder mehrere zusätzliche X-Chromosomen geerbt. Ihr Genotyp
ist XXY oder seltener XXXY, bzw. XXXXY. Es gib sogar den Fall.,
daß ein XY/XXY Mosaik auftritt, d.h. manche Zellen sind normal
mit XY bestückt, andere mit XXY. Phänotyp:
Klinefelter Männer besitzen relativ weibliche Körperformen,
Brustvergrößerung und wenig Körperhaare. Sie sind
steril, kleine Geschlechtsorgane sind typisch.
Durch regelmäßige Testosteroninjektionen im Jugendstadium
können die verweiblichenden Effekte minimiert werden.
Phänotyp:
Männer mit Klinefelter Syndrom sind meist 2-3 cm größer
als normal und neigen zu Übergewicht. Ebenfalls sind Lernschwierigkeiten
typisch. Bei einer erhöhten X-Chromosomenanzahl nimmt der IQ
ab. Das Klinefelter Syndrom ist mit 1: 500-1000 eine der häufigsten
Chromosomenanomalien.
Genotyp:
XYY Syndrom Männer erben ein extra Y
Chromosom von ihren Eltern. Ihr Genotyp ist XYY.
Phänotyp:
Sie sind gewöhnlich groß (meist mehr als 180 cm) ansonsten
erscheinen und agieren sie normal. Sie sind fertil. Das Syndrom
tritt mit einer Häufigkeit von 1: 500 - 2000 auf)
Die Ursache für die obigen Genommutationen
ist wiederum Nondisjunktion in der
Meiose der Eltern.
| 2.4.3
Chromosomenmutationen ( Button rechts klicken,
) |
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Neben Genommutationen treten beim Mensch auch verschiedene
Chromosomenmutationen auf. Wie schon hier
erwähnt, geht es dabei um strukturelle Änderungen und
Defekte ein oder mehrerer Chromosomen. Dabei kann es zum Verlust
bzw. zur Vervielfachung von Genmaterial kommen (unbalancierte Aberration),
was zu einem pathologischen Phänotyp führt.
Die Chromosomen unterscheiden sich u.a. in der
Lage des Centromers. Metazentrische
Chromosomen haben ihr Centromer nahe dem Zentrum, submetazentrische
leicht davon entfernt, so daß kurze p-Arme
und lange q-Arme entstehen.
Bei den akrozentrischen Chromosomen
liegt das Centromer in der Nähe eines Chromosomen-Endes.
Die wichtigsten Strukturveränderungen sind Translokation,
Inversion, Deletion,
Insertion, Duplikation,
Ringbildung und Isochromosom.
Etwa die Hälfte der strukturellen Aberrationen entsteht durch Neumutation
(de novo). Die Ursachen aller angeführten Chromosomenmutationen
sind illegitime Crossing-over zwischen
nicht homologen Chromosomen.
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Deletion
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Inversion
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Ringbildung
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Insertion
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Duplikation:
Bei der Duplikation
sind einzelne Chromosomenabschnitte verdoppelt: z.B. 46,XY,dup(7)(q11.2q22),
ein Mann mit einer Duplikation bei Chromosom 7 am langen Arm (q)
zwischen den Genorten 11.2 to 22.
Inversion:
Ein Chromosom mit Inversion hat
einen Chromosomenabschnitt mit umgekehrter Genreihenfolge.
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Duplikation
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Robertson Translokation
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Isochromosom
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Isochromosom:
Unter einem Isochromosom
wird eine Chromosomenaberration verstanden, bei der ein Chromosom
mit gleichen, u. zwar nur kurzen ( p) oder nur langen (q) Armen
entstanden ist (siehe oben). Dabei gehen Teile des Chromosoms verloren.
(unbalanciert). Das Karyogramm der Tetrasomie
18p mit einem Isochromosom ist
rechts zu sehen. Die Krankheit tritt
ca. 1 : 140 000 bei lebend Geborenen auf)
Deletion:
Unter Deletion
versteht man einen Stückverlust eines Chromosoms. Tritt er am Ende
auf nennt man dies auch Defizienz. Eine solche Deletion wäre
z.B. 46,XX,del(1)(q24q31)
, eine Frau mit einer Deletion beim Chromosom1 am langen Arm (q)
zwischen q24 und q31.
Einige Deletionen treten sehr häufig
auf wie z.B. 46,XX,5p-, auch Katzenschrei
Syndrom genannt. Hier fehlt ein Teil des kurzen Arms von Chromosom
5. Der Name kommt von den spitzen Schreien der Kleinkinder, die
diese Krankheit haben. Solche Menschen sind geistig zurückgeblieben
und leben nicht lange. Das Cri-du-chat Syndrom tritt ca. mit 1 bei
50,000 Lebendgeburten auf.
In Abb. 87
ist eine weitere Deletion, das Williams
Syndrom zu sehen, bei der ein kleines Stück (q11.23) beim
Chromosom 7 fehlt. Die Deletion ist zu klein, daß man sie
sehen kann.

Die Analyse muß deshalb mit FISH durch geführt
werden. Die Abbildung oben wurde von einem Patienten gemacht, der
heterozygot für die William´s Deletion ist, d. h. ein
Chromosom ist normal, eines trägt die Deletion. An der betroffenen
Stelle ist der Genort für das Elastin Gen. Um festzustellen,
ob das Gen durch die Deletion betroffen ist, wurden die Chromosomen
mit einer markierten Elastin Probe hybridisiert. Die Chromosomen
wurden hellblau mit DAPI gefärbt. Die Centromeren besitzen
eine höhere Dichte und erscheinen heller. Die Elastinprobe
wurde orange fluoreszent gefärbt. Wie man sieht ist nur ein
Chromosom betroffen.
Translokation:
Bei einer Translokation findet ein Stückaustausch
zwischen nichthomologen Chromosomen statt. Verändert sich dabei
die Menge des Erbmaterials nicht, spricht man von einer „balancierten
Translokation“.

Träger einer balancierten Translokation
zeigen meist keine damit im Zusammenhang stehenden Veränderungen
und sind phänotypisch unauffällig. Geht Erbmaterial verloren nennt
man dies unbalancierte Translokation.
In Abb. 88 ist eine balancierte Translokation
abgebildet. Die langen Arme von Chromosom 7 und 21 sind auseinandergebrochen
und haben den Platz gewechselt. Entsprechend sieht man ein normales
Chromosom 7 und 21 und ein translociertes Chromosom 7 und 21. Von
allen Chromosomenmutationen ist die Translokation die klinisch bedeutendste.
Kürzlich hat man festgestellt, daß für Individuen,
die eine balancierte Translokation tragen ein hohes Risiko für
Fehlgeburten und Nachkommen mit unbalancierten Translokationen besteht.
(Hier eine
Animation der Meiose bei Translokation)
Wenn ein Elternteil Träger einer balancierten
Translokation ist produziert er auch Gameten mit unbalancierter
Translokation. (siehe rechts oben). Bei einer Befruchtung mit einem
normalen Gameten entsteht eine Translokations-Trisomie.

Eine besondere Translokation ist die Robertson
Translokation. Sie entsteht, wenn zwei lange Arme akrozentrischer
Chromosomen (die mit dem Centromer sehr nahe am Ende) am Centromer
fusionieren (siehe oben) und die beiden kurzen Arme verloren gehen.
Man kennt die Robertson Translokation bei den akrozentrischen Chromosomen
13, 14, 15, 21, und 22, da die kurzen Arme dieser Chromosomen keine
wesentlichen Gene enthalten. Individuen mit dieser Translokation
sind phänotypisch normal und besitzen in allen Zellen 45 Chromosomen.
Ihre Nachkommen jedoch sind entweder normal oder tragen das fusionierte
Chromosom oder sie haben ein fehlendes oder einen extra langen Arm
des akrozentrischen Chromosoms geerbt.
Einen weitere Translokation ist das Philadelphia
Syndrom mit einem Transfer des Hauptteils des langen Arms von
Chromosom 9 nach Chromosom 22. Dies führt zu einem defekten
Gen das chronische myelogene Leukämie (CML) hervorruft.(siehe
hier) Mehr zu Translokationen siehe
hier.
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