X-chromosomal/rezessive Vererbung
In Abb. 50 ist das
X-Chromosom mit den Genorten für Hämophilie A und B abgebildet.
Genort Hämophilie
A:
X-Chromosom bei Xq28; Gerinnungsfaktor VIIIc
Genort Hämophilie B:
X-Chromosom bei Xq27; Gerinnungsfaktor
IX (Plasma thromboplastische Komponente)
Die Defekte in Genen des X-Chromosoms findet man
hauptsächlich bei Männern. Dies kommt durch die genotypische
Geschlechtsbestimmung. Der Mann besitzt 2 Chromosomen, die keinen
homologen Partner in der diploiden Zelle haben. Deshalb gibt es
beim Mann keine Homozygotie. Man nennt diesen Sonderfall Hemizygotie.
Ein Gendefekt auf dem X-Chromosom wirkt sich in jedem Fall aus,
egal ob rezessiv oder dominant.
Besitzt eine Frau eine Mutation auf einem
X-Chromosom, so kompensiert die Genaktivität des gesunden Gens
auf dem anderen X-Chromosom den Defekt. Die Frau ist phänotypisch
nicht krank, trägt jedoch das Merkmal. Man bezeichnet eine
solche gesunde Merkmalsträgerin als Konduktorin.
Betrachten wir einen Erbgang für eine
der obigen rezessiven, X-chromosomalen Defekte: z.B.
die Bluterkrankheit.
Ist die Mutter Konduktorin, so beträgt die
Wahrscheinlichkeit 25% für einen kranken Sohn und 75% für
gesunde Kinder. 50% sind genotypisch gesund, d.h. besitzen kein
defektes Gen. Ist der Mann Merkmalsträger,
gibt er das merkmalsbedingende Gen an alle Töchter weiter. (gehen
Sie mit der Maus auf die Abb. 51
a , um dies zu sehen)
Ein weibliches Kind ist nur
krank, wenn beide Eltern die Anlage für das Merkmal besitzen
(Vater krank, Mutter Konduktorin). Es muß homozygot krank
sein.

In einer Population findet man deshalb mehr männliche
Merkmalsträger. Für alle diese X-chromosomal, rezessiven
Krankheiten gibt es die in Abb. 51 b
abgebildeten Genotypen.
XR
bedeutet dominant, gesund, Xr
= rezessiv, krank. Der Genotyp der Konduktorin ist XRXr.
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hemizygot krank
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heterozygot gesund
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homozygot krank
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| 2.4.2
Analyse und Aufstellen von Stammbäumen Teil 1 |
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(Klicken Sie auf das Symbol
oben rechts um Erläuterungen zur Stammbaumsymbolik zu erhalten)
Die nachfolgende Abbildung zeigt einen Stammbaum
einer Familie mit Rot/Grün-Blindheit.
Der Vater ist Rot/Grünblind und zwei seiner Töchter. Von
den Söhnen wurde nur Paul
auf Rot/Grünblindheit getestet. Ob die Söhne Sam
und Jason krank sind, ist
nicht bekannt.
Beispiel 1
(Interaktive Animation)
- Aufgabe 1
Bestimmen Sie den Genotyp der Mutter!
- Aufgabe 1b
Welche Genotypen sind für Sam und Jason möglich?
- Aufgabe 1c
Welchen Genotyp hat Celia?

Die Antwort erhalten Sie, indem Sie mit Maus auf
das Bild gehen!
Beispiel 2
(Interaktive Animation)
Die nachfolgende Abbildung zeigt die Großeltern mütterlicherseits
aus Beispiel 1.
- Aufgabe 2a
- Bestimmen Sie den Genotyp aller beteiligten
Personen! Die Antwort erhalten Sie wieder, indem Sie mit Maus
auf das Bild gehen!

Beispiel 3
(Interaktive Animation)
- Aufgabe 3a
Erstellen Sie einen Stammbaum für
die Familie aus Beispiel 3 und bestimmen Sie die Genotypen! Die
Lösung erhalten Sie, indem Sie mit Maus auf das Bild links
gehen!

Weitere Beispiele zur Stammbaumanalyse können
Sie hier
und da
analysieren!
In Abb. 55 ist ein
anderer Stammbaum mit einer seltenen X-chromosomal
/ rezessiven Krankheit zu sehen. z. B. der Duchenne
Muskel Dystrophie. Konduktoren sind nicht eingezeichnet.
Wir wollen zur Übung folgende Frage beantworten:
- Frage 4a
Für welche der Frauen im Stammbaum besteht die geringste
Wahrscheinlichkeit, daß sie eine heterozygote Konduktorin
ist: III-1, III-3, oder III-5 ?

Die Antwort ist III-3. Für III-1 und III-5
gibt es 50% Wahrscheinlichkeit Überträgerin zu sein, dagegen
für III-3 ist diese nahezu 0. Warum? Analysieren wir den Erbgang.
II-2 und II-5 sind beide Überträger,
ihr Vater war krank und hat sein einziges, betroffenes X-Chromosom
an seine Töchter weitergegeben. II-3 kann aus 2 Gründen
nicht Überträger sein:
- Männer sind betroffen oder normal, niemals Überträger.
- er hat von seinem Vater kein X-Chromosom geerbt sondern ein
Y-Chromosom.
III-3 kann kein Überträger sein,
denn weder ihr Vater noch Mutter besitzen das mutierte Gen.
Kriterien für eine X-gebundene/rezessive
Vererbung
- Die Krankheit wird nie
vom Vater zum Sohn vererbt
- Männer sind
weit häufiger als Frauen betroffen
- Wenn sich die kranken Männer nicht fortpflanzen
sind nur Männer betroffen.
- Alle kranken
Männer einer Familie sind über ihre Mütter
(Konduktorinnen) krank geworden.
- Das Merkmal oder die Krankheit wird typischerweise
von einem kranken Großvater
über seine Töchter als Konduktorinnen auf die
Hälfte seiner Enkel übertragen.
X-chromosomal/dominante Vererbung (selten)
Einige Merkmale werden auch X-chromosomal/dominant
vererbt, z.B.:
die Blutgruppe Xg(a)
oder die Erbkrankheiten Vitamin-D-resistente
Rachitis mit Hypophosphatämie,
Incontinentia pigmenti (IP), (hemizygot
letal) Oro-facio-digitales Syndrom I (OFD I), (hemizygot letal).
Diese Form der Vererbung ist allerdings sehr selten.
Kriterien für eine X-gebundene/dominante
Vererbung
- Das Merkmal wird nie vom Vater zum Sohn
übertragen.
- Alle Töchter eines kranken Vaters und einer
normalen Mutter sind betroffen. Alle Söhne eines kranken
Vaters und einer normalen Mutter sind gesund.
- Ehen zwischen betroffenen Frauen und normalen
Männern bringen zu 50% kranke Söhne und 50% kranke Töchter.
- Männer sind meist schwerer von der Krankheit
betroffen als Frauen. Das Merkmal kann bei Männern zu Tod
führen (letal; Merkmal = Letalfaktor).
- Das Merkmal kommt normalerweise bei Frauen
häufiger vor.
Nachfolgend sehen Sie den Stammbaum einer Familie
mit einer x-chromosomal/dominanten Krankheit.

Der Schlüssel zur eindeutigen Aussage, ob
es sich um einen X-gebundenen dominanten oder autosomal/dominanten
Erbgang handelt, liegt in der Betrachtung der Nachkommen eines betroffenen
Mannes und seiner normalen Frau:
- Falls der betroffene Mann einen kranken
Sohn hat, ist die Krankheit nicht
X-gebunden!
- Alle seine Töchter müssen für
eine X-chromosomale Krankheit ebenfalls krank sein.
Wie schon erwähnt gibt es bei X-gebundenen,
dominanten Merkmalen öfters den Falls, daß das Merkmal
bei Männern (hemizygot)
als Letalfaktor wirkt. Die Männer sterben z. B vor der Fortpflanzung.
Dies kann bei einem Stammbaum dazu führen, daß nur Frauen
als Merkmalsträger aufgeführt sind.
| Klicken
Sie rechts für einen X-chromosomal/gekoppelten Erbgang |
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Ergänzende Hinweise für Farbenblindheit
und Bluterkrankheit:
| Photopigmente in
Zapfen |
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Die 3 Typen der Photopigmente in den Zapfen,
mit Hilfe derer wir Farben wahrnehmen können, sind bei
unterschiedlichen Wellenlängen lichtempfindlich:
- nahe 420 nm ( kurzwellig, kw),
- 530 nm (mittelwellig, mw), und
- 560 nm (langwellig, lw).
Obwohl zwischen den MW- und LW-Opsinen 15
Aminosäuren Unterschied sind, ergibt sich der Unterschied
in der Lichtempfindlichkeit im Wesentlichen durch die Aminosäure-Positionen
180, 277, und 285. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, daß
normalsichtige Männer viele verschiedene Pigmentgene
auf dem X-Chromosom haben und daß viele mehr als ein
LW-Gen besitzen.
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| Blutgerinnung |
Eine Eigenschaft von Blut
ist die Eigenart zu gerinnen, sobald es aus dem Körper tritt.
Innerhalb des Körpers kann Blut gerinnen, wenn Gewebe durch
Stoß, Riss oder sonstige Einwirkung zerstört worden ist. Innerhalb
der Blutgefäße bleibt Blut flüssig. Geronnenes Blut besteht
aus Blutkörperchen, die miteinander durch feine Fasern vernetzt
sind.
Diese Fasern bestehen aus Fibrin,
einem Protein, das im Moment der Gerinnung aus seiner Vorform,
dem Fibrinogen, unter Einwirkung
des Enzyms Thrombin entsteht.
Auch das Thrombin entsteht erst während des Gerinnungsprozesses
aus dem im Blut befindlichen Prothrombin
durch das Zusammenwirken von Thrombozyten, Calciumsalzen, Substanzen,
die das verletzte Gewebe ausscheidet, und den Kontakt mit rauen
Oberflächen. Fehlt eines dieser Elemente, so ist der Gerinnungsprozess
gestört. Hämophilie wird durch Mangel an Thrombozyten, bzw.
einer dieser Faktoren verursacht . |
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