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Tausende Jahre lang hatten
Bauern und Hirten selektiv ihre Pflanzen und Tiere gezüchtet,
um produktivere Hybriden zu erhalten. Entweder sie hatten Glück
mit ihrer Auswahl oder versuchten es mit einer anderen Rasse neu.
Die tatsächlichen Mechanismen der Vererbung blieben jedoch
bis ins 19. Jahrhundert unbekannt.
Die Geschichte der Genetik begann vor 144 Jahren,
1856, als Gregor Johann Mendel
(siehe links), ein österreichischer Augustiner-Mönch aus
Brünn seine Experimente mit Erbsen
(Pisum sativum) vorbereitete.
Die Ergebnisse veröffentlichte er 1865 unter dem Titel "Versuche
über Pflanzen-Hybride". (Hybride
= Mischlinge)
Dabei führte er 355 Kreuzungen mit 7 Merkmalen
durch und untersuchte 12.980 aus diesen Befruchtungen herangezogenen
Bastarde
(= Mischlinge = Nachkommen).
Die Wissenschaft ignorierte jedoch die darin aufgestellten
Regeln der Vererbung bis ins
Jahr 1900, als 3 Forscher unabhängig voneinander die Gesetze
Mendels wiederentdeckten und bestätigten: der Deutsche
Carl Correns,
Hugo de Vries (Holland)
und der Österreicher Erich von Tschermak-Seysenegg.

Die Gartenerbse
war eine gute Wahl von Mendel, denn sie wuchs schnell, so daß
er in den 8 Jahren seiner Forschungen viele Generationen beobachten
konnte.
Die Pflanze benötigte weiterhin wenig Platz,
was es ihm ermöglichte, große Mengen zu kultivieren. Wichtig
war auch die Tatsache, daß Pisum sativum viele leicht erkennbare
Merkmale aufweist, die jeweils in 2 Ausprägungsformen vorkommen:
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Form der Samen
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Farbe der Samen
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Farbe der Blüten
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Form der
Schoten
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Farbe der
Schoten
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Position der Blüte
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Sproßlänge
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Es gibt deshalb eine große Menge an Varietäten.
Die Gartenerbse gehört zur Familie der Fabaceae
und ist eine zwitterblütige Pflanze, die beide Geschlechtsorgane
aufweist. Sie vermehrt sich meist durch Selbstbefruchtung (= Selbstbestäubung
= Autogamie
= Inzucht).
Um gezielt verschiedene Varietäten zu kreuzen
entfernte Mendel bei unreifen Blüten die Staubblätter,
um so die Autogamie zu verhindern.

Die Leistung Mendels ist um so größer
einzuschätzen, als er kein hochauflösendes Mikroskop zur
Verfügung hatte, weder Meiose kannte noch etwas von DNA und
Chromosomen wußte, geschweige unser genetisches Knowhow des
vorigen Kapitels Molekulargenetik hatte.
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Für
das Verständnis ist die Tatsache wichtig, daß Mendel
seine Experimente mit reinen
Rassen durchführte,
also Erbsenpflanzen, die bezüglich eines betrachteten
Merkmals über Generationen hinweg immer gleich waren.
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Beispiel 1:
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Mendel kreuzte violettblühende
Gartenerbsen untereinander (brachte die Gameten
(= Geschlechtszellen) der Staubbeutel einer Pflanze auf den
Stempel einer anderen auf, so daß im Fruchtknoten ein
Befruchtung mit der
Eizelle stattfand)
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Elterngeneration
=
Parentalgeneration
P
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x
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1.Tochtergeneration
=
1. Filialgeneration
F1
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und erhielt aus den entstandenen Erbsen
(= Samen) jedesmal wieder
violettblühende Nachkommen.
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Allgemein nennt man Kreuzungen, bei denen man nur
ein Merkmal betrachtet eine
monohybride
Kreuzung. Ein Hybrid
ist ein Mischling.
Betrachten wir ein weiteres Kreuzungsbeispiel,
das Mendel ausgeführt hat.
Beispiel 2:
Kreuzung reinrassiger Erbsen mit gelben
Samen und grünen Samen

Mendel erhielt als Ergebnis, daß alle
Nachkommen der 1. Tochtergeneration (F1) alle
gelbe Samen hatten.
Kreuzte er die F1 untereinander, war das Verhältnis der Erbsen
mit gelbe Farbe zu denen mit grüner Farbe
in der folgenden Generation
(F2) jedoch
3 : 1.
Mendel erkannte, daß dies der Schlüssel
zum Verständnis der Vererbung war! Kreuzte er Pflanzen der
F2-Generation untereinander, erhielt er folgendes Ergebnis: 50%
der Pflanzen der F2 ergaben bei Kreuzung untereinander wieder ein
Verhältnis von 3:1. Kreuzung
der Pflanzen mit grünen Samen brachte nur grüne Pflanzen.

25 % der gesamten Nachkommenschaft in der F2 mit
gelben Samen lieferte wieder nur Pflanzen mit gelben Samen.
Aus diesen Experimenten zog er drei Schlußfolgerungen:
- Die Vererbung jedes
Merkmals beruht auf Einheiten
oder Faktoren,
( heute sagen wir Gene
dazu!), die unverändert auf die Nachkommen übertragen
werden.
- Ein Individuum
erbt von jedem Elternteil von jeder Erbanlage eine Einheit
- Eine Erbanlage
braucht in einem Individuum nicht sichtbar werden und kann auf
die nächste Generation übertragen werden.
Schlußfolgerung Nr. 2
bedeutet, daß in den Individuen von jeder
Erbanlage 2 Exemplare enthalten sein müssen, bei der Vererbung
wird jedoch nur eine weitergegeben. Der Vorgang, der die Erbanlagen
halbiert heißt Meiose
oderReduktionsteilung. Er findet bei der Gametenbildung statt (siehe
Kapitel 2). In einer Geschlechtszelle ist also von jeder Erbanlage
nur 1 Exemplar enthalten. Wäre das nicht so, würde sich
in jeder Generation die Menge der Erbanlagen verdoppeln. Die F3
hätte schon die 16-fache Menge an Erbanlagen desselben Typs.
Dies ist nie beobachtet worden und würde irgendwann zum Platzen
der Zellen führen.
Schlußfolgerung Nr. 3
bedeutet, daß manche Erbanlagen andere überdecken
oder sich überdecken lassen. Je nach Kombination treten sie
in nachfolgenden Generationen wieder in Erscheinung. Erbanlagen,
die andere überdecken werden als dominant
bezeichnet. Die Erbanlagen, die sich überdecken lassen sind
rezessiv.
Man muß also zwischen dem Aussehen des Individuums und der
enthaltenen Erbanlagen- Kombination unterscheiden. Das äußere
Erscheinungsbild von Merkmalen nennt man Phänotyp,
die Erbanlagenkombination heißt
Genotyp.
Betrachtet man die obige Kreuzung bezüglich
der Genotypen, sieht das so aus:
Die Parentalgeneration (P)
ist reinrassig (= reinerbig = homozygot)
bezüglich des Merkmals, also müssen sie je 2 gleiche Ausfertigungen
des Gens haben.

Man spricht vom grünen Allel
und gelben Allel. Das Merkmal Samenfarbe
kommt in 2 phänotypischen Ausprägungsformen vor: gelb
und grün. Die Erbanlage (Gen)
für die Herstellung des Farbstoffs kommt hier in 2 Formen (=
Allelen) vor.
Die F1-Generation ist nicht homozygot wie die Parentalgeneration,
sondern mischerbig (= heterozygot);
Alle Individuen enthalten je eine " gelbe" Erbanlage vom
einen Elternteil und eine "grüne" Erbanlage vom anderen
Elternteil (= Elter).
In der F2 findet man 25% homozygot
gelbsamige Pflanzen, 50% heterozygot gelbsamige und 25% homozygot
grünsamige Erbsenpflanzen.
Das phänotypische
Aufspaltungsverhältnis ist also 3 : 1.
Mendel kreuzte die Gartenerbse bezüglich
aller 7 Merkmale und erhielt immer dasselbe, soeben dargelegte Ergebnis.
Jeweils 1 Allel war dominant über das andere, in unserem Fall
ist gelbe Samenfarbe dominant über grün.
- Grüne Samenfarbe ist rezessiv.
- Die Erbanlagen vererbten sich unabhängig
voneinander über die Generationen hinweg.
Der Genotyp bei gelbem Erscheinungsbild
(=Phänotyp) kann und YG sein. Wir wollen ab sofort DOMINANT
mit Großbuchstaben und rezessiv mit kleinen darstellen, also:
YY und Yg.
Fachbegriffe der klassischen Genetik
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Fachbegriff |
Erläuterung |
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1
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Allel |
Ausprägungsform
einer Erbanlage, eines Gens; z.B. die Blütenfarbe der
Pflanze ist rot, oder blau, also muß es eine Sorte des
Gens für die Herstellung des Farbstoffs für rot und
eine andere Sorte Gen für blau geben. |
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2
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Autogamie |
Inzucht;
Kreuzung zwischen nahen Verwandten, z.B. Vater und Tochter |
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3
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Bastard |
Mischling
(= Hybrid); Nachkomme einer Kreuzung |
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4
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dihybrid |
Ein Erbgang
kann z. B. dihybrid sein, d.h. man betrachtet die gleichzeitige
Vererbung zweier (= di)
Merkmale |
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5
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dominant |
Eigenschaft
eines Allels bei Mischlingen ein anderes Allel ( = rezessiv)
zu überdecken |
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6
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Elter |
ein Elternteil,
Singular von Eltern |
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7
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Filialgeneration
(=F1) |
Tochtergeneration,
Nachkommen |
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8
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Erbanlage |
Gen (oder
Gene), das (die) einem Merkmal zugrunde liegt (liegen); für
das Vorhandensein des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin muß
mindestens ein Gen auf der DNA (tatsächlich mehrere Gene)
verantwortlich sein. |
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9
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Genotyp |
die Genkombination
von Allelen, die für ein Merkmal verantwortlich sind;
z.B: YY für homozygot
gelbe Samenfarbe |
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10
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heterozygot |
Das Merkmal
wird bei Mischlingen durch verschiedene Allele
bestimmt; z.B. Yg
bei Pisum sativum mit gelber Samenfarbe, da das Allel Y
dominant über g ist. |
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11
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homozygot |
Das
Merkmal wird bei reinen Rassen durch gleiche Allele
bestimmt; z.B. YY
bei Pisum sativum mit gelber Samenfarbe |
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12
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Hybrid |
Mischling
(= Bastard); Nachkomme einer Kreuzung |
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13
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Merkmal |
äußerlich
oder innerlich sichtbarer Ausdruck der Erbanlage; z.B.
Blütenfarbe violett oder Herstellung des Verdauungsenzyms
Pepsin |
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14
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monohybrid |
Ein Erbgang
kann z. B. monohybrid sein, d.h. man betrachtet bei der Vererbung
nur ein (= mono) Merkmal |
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15
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Parentalgeneration |
Elterngeneration |
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16
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Phänotyp |
Erscheinungsbild
einer Erbanlage; z.B. Die Zellen der Blütenblätter
stellen den Farbstoff rot her (da ihre DNA das Gen für
rot enthält): das Blütenblatt ist rot. |
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17
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rezessiv |
Eigenschaft
eines Allels bei Mischlingen sich durch ein anderes Allel
( = dominant) überdecken zu lassen |
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