|
1.1.1 DNA als Erbsubstanz
Die Geschichte der DNA geht bis auf das Jahr 1868
zurück, als der junge schweizer Wissenschaftler Friedrich
Miescher
(1844-1895) aus Zellkernen eine neue Substanz isolierte, die er
Nukleinsäuren nannte. 2 Jahre zuvor hatte eine tschechischer
Mönch namens Gregor Mendel in Brünn durch Experimente
mit Erbsen die Regeln der Vererbung gefunden.
Dies war der Beginn der Genetik als Wissenschaft. Beiden Entdeckungen
wurde mehrere Jahrzehnte wenig Beachtung geschenkt, bis 1900 Correns,
Tschermak und deVries die Mendelschen Regeln wiederentdeckten.
Aus der Zellbiologie wissen
wir, daß in den Zellkernen, Mitochondrien und Chloroplasten
der eukaryontischen Zellen, in Bakterien und einigen Viren der Stoff
DNA (=Desoxy-Ribonuklein-Säure) enthalten
ist. (frühere Bezeichnung: DNS, heute international
DNA wegen -acid (= Säure); englisch: DeoxyriboNucleic
Acid).
Darin ist die Erbinformation
der Zelle gespeichert. Diese Erkenntnis verdanken wir Oswald T.
Avery (1877-1955), einem in Kanada
geborenen amerikanischen Bakteriologen und Physiker, der 1944 nachwies,
daß die genetische Information einer Zelle aus DNA besteht.
Bis dahin vermuteten die Biologen, daß die Erbinformation
in Proteinen verborgen liegt.
Um 1920 wurde nachgewiesen,
daß die stark färbbaren Chromosomen des Zellkerns DNA
enthielten. (siehe Abb. 3)
Die molekulare Genetik begann
eigentlich erst mit der Entdeckung Averys
1944. Seit damals entstand auch eine neuer Zweig der Biologie, die
Molekularbiologie. 1958 gab es auch den ersten Nobelpreis in diesem
Bereich für Tatum, Beadle und Lederberg u.a für Erforschung
der Erbinformation bei Bakterien.
Die molekulare Struktur
der DNA erkannte zunächst P.A. Levene, 1920, der die grundlegende
Zusammensetzung aus organischen Basen, Zucker und Phosphorsäure
nachwies, die räumliche Struktur der DNA wurde 1953 von Watson
und Crick aufgeklärt (Nobelpreis 1962).
|
|
|
F.H.C.Crick |
J.D. Watson 1962 |
J. Lederberg |
|
Hier
eine Zusammenstellung der wichtigsten Stationen der Genetikgeschichte.
Chromosomen und Chromosomensatz
Die Erbinformation der Eukaryonten
ist in den Chromosomen der Zellkerne
enthalten, die genetische Information der Bakterien
liegt in einem ringförmigen
Chromosom vor, die der Viren
frei als Strang vor.

Chromosomen bestehen aus extrem aufspiralisierter
DNA.
Die Information für die Merkmale eines Organismus
ist in Genen gespeichert. Gene sind Abschnitte auf der DNA.
In Abb. 5 sind
die 46 menschlichen Chromosomen einer Zelle zu sehen. Die kurze,
relativ dicke Stäbchenform der Chromosomen
ist nur während der Metaphase der Zellteilung zu sehen,
ansonsten sind die Chromosomen lange Fäden; man nennt Sie dann
Chromatinfäden. Die nach
Größe geordneten Chromosomen einer Zelle nennt man Karyogramm.
In Abb.
6 ist der DNA-Faden eines Virus zu
sehen (Phage P2; Phagen
sind Viren, die Bakterienzellen befallen).
Lebewesen haben je nach Komplexität ( Einzeller/Vielzeller)
Hunderte bis Tausende von Merkmalen. Deshalb muß das Speichermolekül
DNA riesige Ausmaße haben, also ein Makromolekül
sein.
Nachfolgend ist die DNA-Menge (Chromosomen) von
Zellen einiger Organismen aufgelistet.

Man bezeichnet alle Chromosomen einer
Zelle als Genom.
|
Organismus
|
Chromosom(en) /Zelle
|
|
Bakterien
|
1 + einige kleine DNA-Ringe (= Plasmide)
|
|
Drosophila
|
8
|
|
Plasmodium falciparum,
Malaria-Erreger (Einzeller)
|
14, ca. 6500 Gene
|
|
Reis
|
24
|
|
Maus
|
40
|
|
Mensch
|
46
|
|
Schimpanse
|
48
|
|
Rind
|
60
|
|
Pferd
|
66
|
|
Hund
|
78
|
1.1.2 Aufbau der DNA
Die DNA ist wie alle Makromoleküle aus Bausteinen
aufgebaut. Sie übertrifft allerdings in der Kettenlänge
und Bausteinanzahl alle bisher besprochenen Riesenmoleküle.
|
Makromolekül
|
Anzahl der Bausteine/Molekül
|
|
Proteine
z. B. das Enzym Katalase
|
z.B. 753 Aminosäuren
|
|
Kohlenhydrate
wie Stärke (Amylopektin/Amylose)
|
- 4000 Glucose-Einheiten
|
|
DNA
Chromosom1 (Mensch)
|
250 Millionen Nukleotide
|
Man nennt die Bausteine der
DNA Nukleotide. In der DNA findet
man wie bei den Proteinen eine grundlegende Struktur (=Primärstruktur)
und eine spezielle räumliche Struktur (= Sekundärstruktur).
Zunächst wollen wir die Primärstruktur besprechen.
Jedes Nukleotid besteht
seinerseits aus 3 Bestandteilen:
- einer organischen Base
(B)
- einem Monosaccharid
(Pentose) (Z)
- Phosphorsäure
(P)
Man hat 4 verschiedene Basen in der DNA
gefunden: Adenin (A), Guanin
(G), Cytosin (C) und Thymin
(T). Die Nukleotide sind in 2 Ketten (Strängen) angeordnet,
die sich einander gegenüberliegen und gegenläufig sind.
Dabei paaren sich immer die gleichen Basen (= Basenpaarung
Die Sequenz der Nukleotide (und damit der Basen) ist aperiodisch.
Es stehen sich immer Adenin und Thymin - und Guanin und Cytosin
gegenüber.
Die Kettenlängen der DNA verschiedener Organismen
sind nachstehender Tabelle zu entnehmen:
|
Organismus
|
Bausteine
|
|
Hefe Chromosom 3
|
350 Tausend
|
|
Escherichia coli (Bakterium) 1 DNA-Ring
|
4.6 Millionen
|
|
größtes bekanntes Hefe-Chromosom (1/99)
|
5.8 Millionen
|
|
gesamtes Hefe-Genom
|
15 Millionen
|
|
kleinstes menschliches Chromosom (Y)
|
50 Millionen
|
|
größtes menschliches Chromosom (1)
|
250 Millionen
|
|
gesamtes menschliches Genom
|
3 Milliarden
|
Die beiden Stränge sind
gegenläufig. Adenin paart sich immer mit Thymin und Guanin
mit Cytosin. Bei der A-T-Paarung findet man 2 Wasserstoffbrücken,
bei der C-G-Paarung 3 H-Brücken. Die gepaarten Basen liegen
in einer Ebene. DNA enthält also gleichviel Cytosin wie Guanin
und gleichviel Adenin wie Thymin. Die Basensequenz ist aperiodisch.
Als Rückgrat
des DNA-Stranges fungiert die abwechselnde Kette von Phosphat-Zucker-Phosphat-Zucker
usw. Diese Merkmale zeigen sich auch in der Sekundärstruktur
der DNA.
Da es 4 verschiedene Basen gibt, kennt man 4 unterschiedliche
Strukturformeln der Nukleotide:
In Abb. 11 ist das
Nukleotid dAMP zu sehen, mit
dem vollen Namen 2 -
Desoxy-Adenosin-Monophosphat.
Die Phosphorsäure ist in 5´-Stellung mit der 2-Desoxy-Ribose
verbunden. Die in der DNA vorkommende Pentose ist eine Ribose, der
der Sauerstoff in Position 2 fehlt. Die organische Base in der Abbildung
links ist Adenin, ein Abkömmling
des Purins. Die Base ist in 1´-Stellung mit der 2-Desoxy-Ribose
verbunden.
Eine Verbindung von Base und Zucker bezeichnet
man als Nukleosid,
also hier Adenosin.
Diese Basen sind alle aromatische
Heterozyklen, also Aromaten,die im Ring statt C noch andere Atome,
in diesem Fall N haben. Die freien Elektronenpaare der N-Atome sorgen
für die Basizität dieser Stoffe.
Die anderen Nukleotide unterscheiden sich demnach
nur durch das Vorkommen anderer Basen. In Abb.
10 sind alle Basen der DNA abgebildet. Das Nukleotid mit
Guanin nennt man 2-Desoxy-Guanosin-Monophosphat
(dGMP).
Auch Guanin leitet sich vom Purin
ab. Die restlichen Nukleotide mit den Basen
Thymin heißen
2-Desoxy-Thymidin-Monophosphat (dTMP)
und mit Cytosin
2-Desoxy-Cytidin-Monophosphat (dCMP).
Die Basen Cytosin
und Thymin leiten sich vom
aromatischen Heterozyklus Pyrimidin ab, deshalb werden sie auch
Pyrimdinbasen genannt im Unterschied
zu Adenin
und Guanin
als Purinbasen.

Alle Nukleotide sind Verwandte der Energieträger
wie AMP/ADP/ATP oder GMP/GDP/GTP. ATP und GTP sind aus der Dissimilation
bekannt.
|