| 5.2.3 Blutgruppen |
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Schon 1875 entdeckte Landois, daß wenn man die
Erythrozyten von Lämmern mit Blut von Hunden mischt und bei 37°
C bebrütet, die roten Blutzellen des Lamms nach 2 Minuten lysiert
werden. Nach ausgiebigen Tests mit Blut der Mitglieder seines Labors definierte er 4 Blutgruppen:
A, B, AB und 0. Die Blutgruppen sind Membranrezeptoren der Erythrozyten (Glykoproteine) und aller anderer Zellen des Körpers und lassen sich bereits im 3. Schwangerschaftsmonat nachweisen. Bei der Geburt sind die Rezeptoren jedoch noch nicht voll ausgereift. Ihre Konzentration nimmt im Laufe des 1. und 2. Lebensjahres ständig zu.Sie kommen auch im Blutplasma und anderen Körperflüssigkeiten wie Speichel, Magensaft, Tränenflüssigkeit aber auch in Schweiß, Urin, Galle, Milch und Samenflüssigkeit vor.
Blutgruppen werden nach den Mendel-Gesetzen vererbt. Im Blutplasma kommen Antikörper (Agglutinine,
meist IgM oder IgG) vor, die 4 unterschiedliche Antigeneigenschaften haben
können (sie ergeben eine andere Blutgruppensubstanz). Dadurch wird
in die 4 Blutgruppen A , B , 0 und AB unterschieden.
Plasma von Menschen mit der Blutgruppe A
enthält Agglutinin Anti-B (Antikörper
gegen die Blutgruppensubstanz B). Plasma der Blutgruppe
B enthhält Agglutinin Anti-A.
Das Plasma der Blutgruppe 0 besitzt
die Antikörper Agglutinin Anti-A
und Anti-B. Dagegen sind
im Plasma der Blutgruppe AB keine Antikörper
gegen die Blutgruppensubstanz von A und B vorhanden.
Bei der Übertragung (Transfusion) von nicht gruppengleichem Blut können deshalb schwere Transfusionszwischenfälle (Schock!) auftreten. Diese Reaktion ist besonders stark, wenn das Plasma des Empfängers Antikörper gegen die Erythrozyten des Spenders enthält. Enthält dagegen das Blut des Spenders Antikörper gegen den Empfänger, so läuft die Reaktion wegen der starken Verdünnung der Antikörper in den Blutgefäßen des Empfängers abgeschwächt ab. Daher wurden früher Menschen mit der Blutgruppe 0 als Universal-Spender und solche mit der Gruppe AB als Universal-Empfänger angesehen. Von extremen Notfällen abgesehen darf allerdings nur blutgruppengleiches Blut übertragen werden. Vor jeder Blutübertragung muß eine sogenannte "Kreuzprobe" gemacht werden. Bei dieser Kreuzprobe wird Spender-Blut und Empfänger-Blut auf die gegenseitige Verträglichkeit überprüft. Wenn hier keine Blutverklumpung eintritt, kann das Blut übertragen werden. Antigene und Antikörper im ABO-System:
*1 Mit sehr seltenen Ausnahmen findet man das H-Antigen
auf menschlichen Blutzellen. Für die Bestimmung der AB0-Blutgruppen werden staatlich-geprüfte Antiseren der Spezifitäten Anti-A, Anti-B und Anti-AB verwendet. Zur Vermeidung von Verwechslungen sind die Seren gefärbt:
Die Prüfung der Ausscheidung von AB0-Substanzen gelingt am einfachsten im Speichel. Weitere Blutgruppen bzw. -systeme sind : Duffy -, Kell-, Cellano -, Kidd -, Lewis -, Lutheran -, MNS -, P- und Rhesusfaktor. Davon ist das Rhesus-System das wichtigste. Es wurde von Landsteiner und Wiener 1940 entdeckt. Rhesusfaktor Landsteiner wollte Antikörper gegen Erythrozyten des Rhesusaffen in Kaninchen und Meerschweinchen produzieren. Dabei entdeckte er, daß dieselben Antikörper auch beim Menschen die Erythrozyten agglutinisieren. (bei 85% der weißen und 92 % der schwarzen Bevölkerung) Wenn ein entsprechendes Antiserum die menschlichen Erys agglutinisiert, besitzen die Erythrozyten den Rhesus-Faktor. Das Blut ist Rh+, bei keiner Reaktion ist es Rh-. Das Rhesussystem ist sehr komplex, da 3 Gene für die Antigene verantwortlich sind: C, D, and E, auf dem 1. Chromosom. An jedem Genort liegen 2 Genvarianten (Allele): c oder C; d oder D; und e oder E. Besitzt der Mensch mindestens die Genvarianten (Genotypen) C, D, E (Rh/Rh) und damit die entsprechenden Antigene als Genprodukte, ist er Rhesus positiv. Nur Individuen mit dem Genotyp cde/cde (rhrh) sind Rhesus negativ. Auch der Rhesusfaktor vererbt sich nach den Mendelschen Regeln. Antikörper des Rh-Systems sind fast immer Immunantikörper, stimuliert durch eine Übertragung genetisch differenten Blutes anderer Menschen anläßlich einer Schwangerschaft oder einer Bluttransfusion. Rh-ähnliche Substanzen sind in der Natur bisher nicht nachgewiesen. Eine Entstehung sogenannter natürlicher Antikörper, wie im Falle des AB0-Systems, ist deshalb nicht zu erwarten. Rh-Substanzen werden nicht mit Sekreten ausgeschieden. Der Resusfaktor wird während der Schwangerschaft wichtig, wenn eine Rh-negative Mutter ein Rh-positives Kind trägt. Der Embryo kann nur durch den Rh- positiven Vater Rh-positiv sein. Probleme treten bei 0,5% der Schwangerschaften auf. Besonders während der Geburt dieses 1. Kindes gelangt eine größere Menge kindliches Rh+-Blut in den Kreislauf der Rh- -Mutter. Dabei werden Antikörper dagegen gebildet und zerstören das eingedrungene Blut des Kindes. Die ebenfalls gebildeten Gedächtniszellen sorgen jedoch dafür, daß bei einer künftigen Schwangerschaft sehr schnell Antikörper gegen das kindliche Blut des ebenfalls Rh-positiven 2. Kindes gebildet werden. Dies führt zu einer Zerstörung der kindlichen Erythrozten und zu einer Blutkrankheit im Fötus genannt Erythroblastosis fetalis (Erythroblastose). Dabei wird durch den Abbau des Hämoglobins der agglutinisierten Blutzellen Bilirubin gebildet, das das Gehirn schädigt und Haut und Gewebe gelb färbt (Gelbsucht). Als Folge produziert der Embryo schnell große Mengen an neuen Blutzellen, was die Leber und Milz anschwellen läßt. Falls nicht ein sofortiger Blutaustausch mit Rh+ - Blut erfolgt, stirbt der Embryo u.a. an Herzversagen. Durch vorgeburtliche Untersuchungen können heute 99% aller Probleme behoben werden. Man kann vor der Bildung der mütterlichen Antikörper und Gedächtniszellen Rh+-Immunoglobulin injizieren, sodaß die eingedrungen kindlichen Erythrozyten zerstört werden. Auf diese Weise erfolgt keine Immunreaktion bei der Mutter. Dies muß nach jeder Schwangerschaft wiederholt werden. |
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Weiterführende
Quellen:
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