1.6.2

Replikation

Bevor sich eine Zelle teilt, muß sie ihre gesamte DNA verdoppeln (= replizieren). In Eukaryonten geschieht das in der S-Phase des Zellzyklus. Der Replikation genannte Vorgang vollzieht sich gleichzeitig an mehreren Stellen des Riesenmoleküls DNA. Dabei entstehen durch das Aufschrauben sogenannte Replikationsblasen. Dort arbeiten 2 enzymatische Replikationskomplexe in entgegengesetzter Richtung. Neben dem Enzym Helicase, das die Doppelhelix entschraubt, enthält der Replikationskomplex Gyrase, verschiedene Proteine, Primase und verschiedene DNA-Polymerasen. Die Replikation verläuft in beiden Richtungen bis sich die Blasen treffen.

Der sehr komplizierte und energieverbrauchende Vorgang läuft vereinfacht in 3 Schritten ab:

  1. Entwindung und Stabilisierung der DNA
  2. Synthese eines komplementären DNA-Stückes in 5´-3´-Richtung am Führungsstrang
  3. Synthese von Okazaki-Fragmenten und deren Verbindung in 5´-3´-Richtung am anderen Strang

Genaue Vorgänge an der Replikationsgabel bitte rechts klicken Okazaki-Hypothese

Geschwindigkeit der Synthese

Bei Prokaryonten ca. 1000 Nukleotide/Sekunde; d.h. bei E.Coli mit 4,7 x 106 Basenpaaren dauert die Replikation 40 Minuten.

Eukaryonten:
Das typisch menschliche Chromosom hat ca. 150 x106 Basenpaare. Die Synthese schreitet mit ca. 50 Nukleotiden/Sekunde voran. Dies würde einen Monat dauern, gäbe es nicht gleichzeitig mehrere Replikationsblasen. So dauert es nur eine Stunde. Die gesamte DNA mit 6 x 109 Basenparen wird in mehreren Stunden verdoppelt.

Die Arbeit der Enzyme kann man in der obigen und nebenstehenden Abbildung nachvollziehen.

Bei der Replikation der ringförmigen DNA in Prokaryonten findet man nur eine Replikationsblase.

Semikonservative Replikation

Die oben beschriebene Art der Replikation wird von allen Organismen durchgeführt. Dabei wird jeweils einer der alten DNA-Stränge komplett belassen und ein komplett neuer komplementärer Strang synthetisiert. Man nennt diese Methode semikonservative Replikation.

Matthew Meselson and Franklin W. Stahl entwarfen 1958 ein Experiment, um zu entscheiden, wie die DNA sich repliziert. Schon WATSON und Crick hatten die semikonservative Replikation postuliert. Diese wurde dann auch bewiesen.

Nachweis der semikonservativen Replikation bitte rechts klicken

Semikonservative Replikation

Ein Shockwave-Animation der Replikation ist hier zu sehen:
http://www.ncc.gmu.edu/users/ypetty/repanim.htm

1.6.3

Zellzyklus

Alle eukaryontischen Zellen durchlaufen einen Zyklus von Wachstum, DNA-Verdopplung, Wachstum und Zellteilung. Man nennt diesen Zellzyklus.

Der zyklische Ablauf wird in verschiedene Abschnitte unterteilt:

G1 - S - G2 - M.

G1 steht für Gap1 , S für Synthese und G2 für Gap2. Alle 3 genannten Phasen sind zusammen die Interphase zwischen 2 Zellteilungen.

Zellen werden meist in dieser Phase beobachtet.

Während des Zellzyklus müssen

  1. die Chromosomen repliziert (S), kondensiert (M), getrennt und dekondensiert werden
  2. die Centrosomen verdoppelt (S) und getrennt werden und zu den entgegengesetzten Zellpolen wandern
  3. die Kernmembran abgebaut und aufgebaut werden (M)
  4. die Spindlfasern während der Mitose auf- und abgebaut werden (M)
  5. die Zellmembran ergänzt werden, um die Zellteilung zu vervollständigen

Die G1-Phase ist die Wachstumsphase, wo sich die Zelle unter ATP-Verbrauch vergrößert und sich die Zellorganellen vervielfachen. Nach einer bestimmten Zeit beginnt die DNA-Verdopplung. Man nennt die Phase S-Phase. Dies sorgt für einen erhöhten Energieverbrauch, weshalb sich eine weitere Wachstumsphase anschließt, die G2-Phase.

Bei den eukaryontischen Zellen folgt nun die M-Phase, also die mitotische Zellteilung oder Mitose, bei der die Chromosomen (Kernteilung) und das Cytoplasma samt Organellen ( Plasmateilung) aufgeteilt werden.

Der zeitliche Ablauf ist je nach Zelltyp unterschiedlich kürzer oder länger, im Mittel ca. 16 Std. (siehe links)

Regulation des Zellzyklus bitte rechts klicken

Regulation des Zellzyklus

Mitose (M-Phase)

In der M-Phase entstehen aus einer diploiden Zelle (2n) zwei genetisch identische Kopien.

Dabei können hauptsächlich im Zellkern höchst komplizierte Vorgänge beobachtet werden, die man in 4 Abschnitte einteilt:

Prophase, Metaphase, Anaphase Telophase.

 

Links ist die Anaphase der Mitose zu sehen. Chromosomen (orange) werden mit Hilfe von Spindelfasern getrennt (grün).

Nachfolgend werden die einzelnen Phasen anhand des mikroskopischen Bildes einer typischen Zelle besprochen. Hierbei spielen Chromosomen, das Centrosom (= Centriol) und die Spindelfasern eine

besondere Rolle. Das Centrosom (siehe Zellbiologie) ist ein Zellorganell nahe dem Zellkern, das in der Interphase und Mitose die Mikrotubuli organisiert.

Es unterscheidet sich von Art zu Art, typischerweise sieht es wie links abgebildet aus. Von ihm gehen Mikrotubuli in das Cytoplasma, die ein Zytoskelett bilden.

Bei der Mitose werden die Spindelfasern gebildet.

Obwohl man von Chromosomen spricht, wenn man die Erbinformation der Zellen meint, treten diese nur während der Zellteilung (M) auf. In der G und S-Phase des Zellzyklus liegt die Erbinformation (DNA) als Chromatinfäden oder Chromatingerüst vor. Man bezeichnet einen Komplex von DNA und Protein, wie er in den Chromosomen vorliegt als Chromatin.

Das typische Bild der Chromosomen findet man in der Metaphase der Mitose vor, man spricht von Metaphasen-Chromosomen. Ein solches Chromosom ist allgemein wie links abgebildet aufgebaut. Es besteht aus 2 Hälften, Chromatiden genannt. Diese werden am Centromer zusammengehalten. So nennt man die Verengung, an der die Spindelfasern ansetzen. Das Centromer muß nicht immer mittig im Chromosom liegen.

An dieser Spindelfaseransatzstelle bildet sich kurz vor der Chromosomenteilung eine spezielle Struktur mit Mikotubuli aus (=Kinetochor), an die die Spindelfasern anheften.

Jedes Chromatid enthält mindestens einen sehr stark aufspiralisierten DNA-Faden. Weiteres zum Feinbau der Chromosomen findet man nach der Mitose.

Die Chromosomen und Spindelfasern sind in den nachfolgenden Abbildungen angefärbt. Zunächst noch einmal zum Vergleich die Interphase (S):

Interphase

Der Zellkern ist mit seiner Membran gut sichtbar. Die Chromosomen sind gerade verdoppelt worden und als lange Chromatinfäden sichtbar, jedoch kaum zu definieren. Tatsächlich existieren von jedem Chromatinfaden 2 Exemplare, die Zelle ist diploid. Die beiden identischen Fäden nennt man homolog.

Die Mitose im einzelnen:

Prophase

Links ist die frühe Prophase dargestellt. Die replizierten Chromatinfäden erscheinen als längliche Gebilde, die aus 2 Chomatiden bestehen und am Centromer zusammenhaften. Die Chromatinfäden verkürzen und verdicken sich zu Chromosomen.

Die Kernmembran und das Kernkörperchen (Nukleolus) verschwinden. Das Centriol hat sich geteilt und wandert zu den Zellpolen.

Metaphase

Die Spindelfasern haben sich ausgebildet. Die Chromosomen liegen maximal verkürzt in der Äqutorialebene der Zelle.

Die Kernmembran ist aufgelöst.
Jedes Chromosom ist am Kinetochor über zwei Spindelfasern mit beiden Centriolhälften verbunden, ein Chromatid eines Chromosoms mit dem einen Pol, das andere Chromatid mit dem anderen Pol.

Anaphase

Die Chromatiden jedes Chromosoms wandern auseinander, von den Spindelfasern zu den Polen gezogen.

Telophase

Die auseinandergewichenen Chromatiden haben die jeweiligen Zellpole erreicht. Sie verlängern sich.

Die Spindelfasern verschwinden, neue Nukleoli werden sichtbar, die Kernmembranen bilden sich wieder.

Die Zelle teilt sich.

Die Zellteilung also Teilung des Cytoplasmas direkt nach der Mitose nennt man Cytokinese.

Typischerweise läuft die Mitose der Zellen innerhalb ca. 80 Minuten ab.

Zusammenfassung der Mitose:

  • Kernteilung und Zellteilung bei eukaryontischen Zellen, die 2 genetisch identische Produkte liefert
  • In der Anaphase werden die Chromosomen in Chromatiden getrennt.
  • Die Verdopplung der Chromatiden zu Chromosomen findet in der Interphase statt.

Feinbau des Metaphasenchromosoms bitte rechts klicken

Feinbau des Metaphasenchromosoms

Chromosomen bei Prokaryonten

Bakterien besitzen nur ein ringförmiges Chromosom. Es ist z. B. bei E. Coli nahzu 1 mm lang aber nur 2 nm breit und besteht aus ca. 4.6 Millionen Basenpaaren.

Ca. 1700 Gene haben auf einem solchen DNA-Faden Platz und es können somit 1700 Enzyme gebildet werden.

Daneben besitzen viele Bakterien noch ein oder mehrere kleine DNA-Ringe: sogenannte Plasmide (siehe Abbildung links) mit wenigen Genen..

Üblicherweise teilen sich Bakterienzellen durch Zweiteilung, wobei wie bei der Mitose 2 genetisch identische Zellen entstehen. Zunächst verdoppelt sich das Chromosom und die beiden DNA-Kopien werden an unterschiedlichen Stellen der Membran angeheftet.

Bei der anschließenden Zellteilung (Cytokinese), werden dann die beiden DNA-Kopien auf die beiden Zellen verteilt.

Weiterführende Quellen:

Mitose und Zellzyklus

http://www.emc.maricopa.edu/bio/bio181/BIOBK/BioBookmito.html
http://www.biology.arizona.edu/cell_bio/tutorials/cell_cycle/cells2.html
http://www.genetik.uni-koeln.de/institute/5th_floor/sprenger.html

Versch. Quellen zu Mitose

http://bioscience.org/news/scientis/mitosis.htm

Zweiteilung

http://library.advanced.org/11375/classroom/binary_fission.html

Aufbau der Chromosomen

http://gened.emc.maricopa.edu/bio/bio181/BIOBK/BioBookGENCTRL.html

Centrosom

http://www.med.uni-muenchen.de/phychem/zellbio/homepage.html

Telomere
Telomerase-Demo

http://www.uni-stuttgart.de/bio/zoologie/teloweb.htm
http://www.plattsburgh.edu/faculty/slishdf/Telomerase.html

Centromer

http://opbs.okstate.edu/~melcher/MG/MGW1/MG1364.html