6.2 Alkane (= Paraffine)
 

Nun wollen wir organische Verbindungen mit sp3-hybridisierten C-Atomen und Verbindungen zu H-Atomen besprechen.
Organische Verbindungen, die nur Kohlenstoff und Wasserstoff enthalten nennt man Kohlenwasserstoffe. Die grundsätzlich verschiedenen Gruppen von Kohlenwasserstoffen mit einem typischen Beispiel sind nachfolgend abgebildet:

Alkane sind die Kohlenwasserstoffe, die sp3-hybridisierte C-Atome besitzen. Alkene haben sp2-hybridisierte C-Atome und C=C -Doppelbindungen, Alkine sp-hybridisierte C-Atome und Dreifachbindungen. Aromaten besitzen zyklisch angeordnete sp2-hybridisierte C-Atome mit alternierenden (=abwechselnden) Doppelbindungen.
Um sie von den anderen Stoffklassen zu unterscheiden hat man jeder Stoffklasse typische Namen mit typischen Endungen gegeben:

Stoffklasse Endung Beispiel
Alkane
-an
Butan
Alkene
-en
Ethen
Alkine
-in
Propin

Alkane, die also nur aus Kohlenstoff- und Wasserstoffatomen bestehen sind industriell als Treibstoffe und Öle wichtig. Man gewinnt sie aus Erdöl und Erdgas.

Eine Elementaranalyse von Rohöl ergibt folgende Zusammensetzung:

  • 85-90 % Kohlenstoff (C) vorwiegend Alkane, Cycloalkane und Aromaten,
  • 10-14 % Wasserstoff (H),
  • 0-1,5 % Sauerstoff (O) (gebunden in Naphthensäuren, Phenolen, Harzen, Aldehyden, u.a.)
  • 0,1-3,0 (max. 7) % Schwefel (S) (meist gebunden in Thiolen, Sulfiden und heterocyclischen Verbindungen),
  • 0,1-0,5 (max. 2) % Stickstoff (N),
  • geringe Mengen (0,001-0,05 %) von Aschenbestandteilen, die Spuren zahlreicher Elemente wie Chlor, Iod, Arsen, Phosphor, Kalium, Natrium u.a. enthalten.

Erdöl und Erdgas sind fossile Brennstoffe, die aus dem Abbau fossiler Pflanzen des Erdmittelalters z.B. Carbon (ca. 300 Millionen Jahre) und späterer Zeitalter entstanden ist.

Erdöl wird in Raffinerien wie folgt verarbeitet:

Destillation: Durch fraktionierte Destillation werden die verschiedenen Inhaltsstoffe bei ihren Siedetemperaturen getrennt.
Konversion: Die Schwerölprodukte werden mit Hilfe von Katalysatoren in kurzkettige Produkte (Leichtöl) umgewandelt ( Cracken).

Reforming: Das Rohbenzin wird durch Katalyse und Isomerisierung in hochwertiges motortaugliches Benzin umgewandelt.

Behandlung: Verunreinigungen in den verschiedenen Ölfraktionen werden entfernt.

Erdöl wird hauptsächlich zu Kraftstoffen und Heizölen verarbeitet.

Benzin erhält man durch Destillation bei ca. 70-120°C. Darin sind fast nur Alkane enthalten, wie die nachfolgende Abbildung zeigt:

Heptan 3,4-Dimethyl-Oktan 2,4,5-Trimethyl-Heptan 1,4-Diethyl-Cyclopentan 1,2-Dimethyl-Cyclohexan 2,2,4-Trimethyl-Heptan 3-Methyl-Pentan 1,3,5-Trimethyl-Benzol 3-Methyl-4-Ethyl-Heptan 3-Isopropyl-Hexan 3,4-Dimethyl-Heptan (1-Methyl-Propyl)Cyklopentan Isopropyl-4-Propyl-Benzol Isobutyl-Benzol

Abb. 6.2.9 Im Benzin enthaltene Kohlenwasserstoffe
Die genauen chemischen Bezeichnungen erhalten Sie, indem Sie mit dem Cursor auf die Strukturformeln gehen.


Wie man erkennt, enthält Benzin nur Verbindungen von 7 - 12 C-Atomen, die meisten sind verzweigt, ca. die Hälfte ist zyklisch. Ordnen wir die obigen Verbindungen nach strukturellen Gesichtspunkten ergeben sich 3 Gruppen:

Alkane-Cycloalkane-Aromaten.

Ordnet man alle bekannten Alkane nach der Kettenlänge, erhält man die homologe Reihe der Alkane. Die typische Namensendung ist -an.

 
Abb. 6.2.1
Zusammensetzung
von Erdöl

Abb.6.2.2
Kohlenwasserstoffe

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Abb. 6.2.3
Ölbohrinsel



Abb.6.2.4
Zusammensetzung Erdgas
Stoff
%
Methan
50-80
Ethan
1-20
Propan
0-12
Butan
0-4
Sonstige
max.12
   
Abb.6.2.6
Erdölraffinerie


Abb.6.2.7
Alter von Erdöl und Erdgas


Abb.6.2.8
Coker

Schwere Rückstände aus den Destillationsanlagen werden im Coker zu Gasen, Benzin und Petrolkoks umgewandelt. Das Einsatzprodukt wird unter Druck auf 500°C erhitzt. In nachgeschalteten Verkokungskammern bildet sich Koks. Das Füllen einer Kammer dauert ca. 24 Stunden. Petrolkoks kann direkt als Brennstoff verkauft werden. Kalzinat, das ist Petrolkoks, dem die flüchtigen Kohlenwasserstoffreste entzogen wurden, dient zur Herstellung von Elektroden.

Abb.6.2.10
Cracker

Ein Cracker ist eine Anlage, in der Kohlenwasserstoff-Moleküle mit Hilfe von hoher Temperatur gespalten werden. Auf diese Weise entstehen aus festen oder zähflüssigen Produkten leichtflüssige Produkte oder aus leichtflüssigen Produkten Gase. In der Petrochemie ist Cracker ein Synonym für Olefinanlage.

Abb. 6.2.11
Reformer


Reformieren
bezeichnet die chemische Umwandlung von Kohlenwasserstoffen. Ziel des Reformierverfahrens ist es, die Qualität z. B. der Benzinfraktionen zu erhöhen, d. h. aus einem Benzin mit niedriger Oktanzahl ein Benzin mit hoher Oktanzahl zu erhalten.

Abb.6.2.12
Rückstand

auch Rückstandsöle; Begriff bei der Destillation für den nicht destillierbaren Rohölanteil.

Abb.6.2.13

Quelle: Esso

 


Name Summen-
formel
Strukturformel
(Liniendarstellung)
3D-Modell (Chime) SiP °C Isomere
Methan CH4   -164 1
Ethan C2H6
  -88.63 1
Propan C3H8
  -42.07 1
Butan C4H10
  -0.5 2
Pentan C5H12
  36.07 3
Hexan C6H14
  68.95 5
Heptan C7H16
  98.42 9
Oktan C8H18
  125.66 18
Nonan C9H20
  150.798 35
Decan C10H22
  174.1 75
allgemein CnH(2n+2)
     

Das Alkan Methan spielt im natürlichen Kohlenstoffzyklus eine wichtige Rolle. Über die Methanogenese werden jährlich geschätzte 900 Millionen Tonnen biologisch durch anaerobe Bakterien produziert. (anaerob = ohne Sauerstoff lebend) Einer der wichtigen Methanbildner, der im Boden, im Süßwasser und Meer, auf Blättern, Weideland, Reisfeldern und in Mägen von Wiederkäuern vorkommt ist Methanosarcina acetivorans siehe Abb.6.2.14. Der Stoffwechselvorgang zur Bildung von Methan in den Zellen ist recht kompliziert und keine Gärung. Nachfolgend die Nettogleichung:

Viele dieser Methanobakterien können Methan auch aus CO2 und H2 bilden. Die Wiederkäuer wie Kühe, Schafe, Ziegen oder Rentiere scheiden dieses Methan durch Atmung und den After aus.
Der Zusammenhang mit dem Kohlenstoffkreislauf ist in der nachfolgenden Abbildung zu sehen:

Weiterhin entsteht bei der Kohleförderung in Bergwerken eine beträchliche Menge Methan.
Space In Deutschland werden ca. 5 m3 Methan/Tonne Kohle frei (Quelle: http://www.ieagreen.org.uk/ch4-4.htm). Gefährlich ist das explosive Gemisch (ca. 4,5 bis 14,5 Prozent) von Methangas und Luft, auch Grubengas oder Schlagende Wetter genannt. Dies hat schon zu verheerenden Grubenunglücken geführt.

Ebenfalls einen Anteil am globalen Kohlenstoffzyklus hat das Methanhydrat, (= Gashydrat) das in marinen Sedimenten (= Ablagerungen) und polaren Dauerfrostumgebungen weit verbreitet ist. Ab ca. 300 m Tiefe herrschen solche Drücke und Temperaturen, das das Methanhydrat stabil ist und dort zur Zementierung der hunderte m dicken Schichten beiträgt.

brennendes Methanhydrat
Methanmolekül im H2O-Käfig

Die Methankonzentration im Methanhydrat ist ca. 3000 mal größer wie in Luft. Das Hydrat löst sich an Luft auf und verbrennt zu CO2 und Wasser. Vor fast 60 Millionen Jahren vermuten einige Forscher eine riesige Methanhydrat-Eruption, was zu einer erheblichen Erwärmung im Eozän geführt haben soll.

Natürlich gibt es auch viel längere Alkane als die in der Tabelle oben aufgeführten. (siehe Abb. 6.2.13)

Das Gemisch hochmolekularer (C18-30) Alkane wird Paraffin genannt und als Kerzenwachs verwendet. Es ist weiß, halbdurchsichtig, geruch- und geschmacklos und wachsartig.
Man erhält es durch Destillation von Rohöl bei ca. 200 - 300 °C. Paraffine sind im Rohöl am häufigsten vorhanden.

Ringförmige Alkane werden Cycloalkane genannt. Nachfolgend sind die häufigsten aufgeführt.

 
Abb.6.2.14
Archäbakterien als Methanbildner


Abb.6.2.15
Messung des Methanausstoßes bei Wiederkäuern (Schafe)


Quelle: http://www.csiro.au

Abb.6.2.16
Schlagwetterexplosion

Sibirien 1997, 61 Tote

Quelle: http://www.cnn.com/
WORLD/9712/02
/russia.mine.explosion/

 

 

Abb.6.2.17
Methanhydrat

 

 

 

 

Abb. 6.2.18
Alkane C >10
Kettenlänge
Alkan
11
Undekan
12
Dodekan
13
Tridekan
14
Tetradekan
15
Pentadekan
16
Hexadekan
17
Heptadekan
18
Oktadekan
19
Nonadekan
20
Eicosan
Abb.6.2.19
Teelichter aus reinem Paraffin


z.B.
Eicosan C20H42 SiP: 343 °C
Triacontan C30H62 SiP: 449.7 °C


Name Summen-
formel
Strukturformel
(Liniendarstellung)
3D-Modell (Chime) SiP °C Ring-
Spannung
Cyclopropan C3H6
  -33 115
Cyclobutan C4H8
  -12 110
Cyclopentan C5H10
  59 27
Cyclohexan C6H12
  81 0
allgemein CnH2n
     

Weiterführende Quellen:

Organische Chemie: http://web.jjay.cuny.edu/~acarpi/NSC/10-organic.htm und http://www.chem.uic.edu/web1/OCOL-II/WIN/HOME.HTM

Moleküle in 3D: http://www.wellesley.edu/Chemistry/Flick/molecules/newlist.html und http://ep.llnl.gov/msds/pdb/ und
http://people.ouc.bc.ca/woodcock/molecule/molecule.html
Alkane in 3D:http://people.ouc.bc.ca/woodcock/molecule/Alkanes.htm und http://www.uis.edu/~trammell/organic/alkanes/higherAlkanes.htm
Alkene: http://www.uis.edu/~trammell/organic/alkenes/alkenes.htm
Alkine in 3D: http://people.ouc.bc.ca/woodcock/molecule/Alkynes.htm

CHIME: http://wwwusers.imaginet.fr/~dhirou/chime/chime.html

Ölfirmen http://www.deutsche-shell.de und http://www.exxonmobil.com/news/publications/c_gas_prices/c_gasolinemade_ix.html

Erdölverarbeitung in Deutschland: http://www.vebaoel.de/e/vorp_set/mineraloel_verarbeitung_vorp/mineraloel_verarbeitung.html

Fachbegriffe Erdöl: http://www.dea.de/1150.htm

Raffination von Erdöl: http://www.ashland.com/education/oil/refining/

Bohren nach Öl: http://www.ukooa.co.uk/education/

Methanhydrat: http://www.ndsu.nodak.edu/instruct/ashworth/webpages/g491/2001presentations/methane_hydrate/introduction.htm

Nomenklatur: http://people.ouc.bc.ca/woodcock/nomenclature/nom1.htm und http://people.ouc.bc.ca/woodcock/nomenclature/index.htm und http://www.cem.msu.edu/~reusch/OrgPage/VirtualText/nomen1.htm

Mineralöle/Erdöl: http://www.zoll-d.de/b0_zoll_und_steuern/b0_verbrauchsteuern/c0_minoel/a0_allgemeines/a0_mineraloelherstellung/ und
http://www.chemie.uni-marburg.de/~butenuth/648/erdoel.html

Hybridisierung: http://www.wellesley.edu/Chemistry/chem120/hybrids.html

Atomarchiv: http://www.atomicarchive.com/main.shtml

3D-Molekülarchiv: http://www.nyu.edu/pages/mathmol/library/library.html

Maße: http://home.att.net/~numericana/answer/units.htm