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| 3. Reaktionskinetik IV; Störungen von Gleichgewichten, Le Chatelier | |||||||||||||||||
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Im Wasser gibt es allerdings noch einige
weitere interessante Gleichgewichte, z.B. das Kalkgleichgewicht.
Dies ist ein heterogenes Gleichgewicht, bei sich unter anderem ein Feststoff
in Wasser löst, weshalb wir auch hier ein Lösungsgleichgewicht
vorliegen haben. CaCO3 + CO2 (aq)
+ H2O Dies ist der wichtigste Prozess der
Kalksteinverwitterung. Im Boden ist die CO2-Konzentration wegen der
Dissimilation der Bodenorganismen wesentlich höher als in der Atmosphäre
(0,037%). Erhöht sich die CO2-Konzentration, verschiebt
sich das Gleichgewicht nach rechts und mehr Kalkstein löst sich auf. Der Vorgang der Rückreaktion bei Temperaturerhöhung wir in Warmwasserleitungen und z.B. Geschirrspülmaschinen zum Problem, da sich bei hartem Wasser (viel CaHCO3) Kalk abscheidet (= Kesselstein) und die Geräte zerstören kann. In der Natur sind so Tropfsteinhöhlen entstanden. Das gesamte Kalkgleichgewicht besteht genaugenommen aus 3 Gleichgewichten: 1. CaCO3(s) 2. CO2 (aq) + H2O
3. H2CO3(aq)
+ CO32 ¯(aq) Vom im Wasser gelösten CO2 reagiert ein kleiner Teil zu Kohlensäure:
Wie man sieht, liegt das Gleichgewicht stark auf der Rückreaktion. Kohlensäure zerfällt auch relativ schnell durch ein weiteres Gleichgewicht: H2CO3 (aq) HCO3- (aq)
Dabei entsteht zunächst Hydrogenkarbonat oder Bikarbonat (HCO3-) und dann nach einem weiteren Verlust eines H+-Ions das Karbonat-Ion (CO32-). Die Gleichgewichtskonstanten für die beiden Reaktionen sind nachfolgend zu sehen:
Beide Reaktionen sind recht langsam. CO2 steht demnach mit Karbonat in folgendem Zusammenhang: CO2 + H2O Alle Reaktanten (aq) Im Blut der ist der erste Teil des Gesamtgleichgewichts bedeutungsvoll: CO2 + H2O Das auszuatmende CO2 steht in einem Gleichgewicht mit Hydrogencarbonat, das als Puffer und Protonenfänger wirkt und damit zur Konstanthaltung des Säuregleichgewichts im Blut lebensnotwendig ist.
Fassen wir mal einfach die beobachteten Eigenschaften der besprochenen Gleichgewichte zusammen. Dabei stellt man fest, daß sie auf Beeinflussung durch Temperatur, Druck oder Konzentrationsänderung immer gleich reagieren. Dies hat 1884 schon der französische Chemiker Henri LeChatelier festgestellt. Im zu Ehren nennt man diese Feststellung heute das Prinzip von LeChatelier oder das Prinzip vom kleinsten Zwang: Übt man auf ein Gleichgewichtssystem einen Zwang aus, so reagiert es, indem sich der Zwang verkleinert. "Zwänge" sind: Temperatur, Druck, Konzentrationsänderung und Katalysator
Dieses Prinzip kann nochmals an den folgenden Beispielen überprüft werden: |
Stoffabbau zum Energiegewinn Die Konzentration eines reinen Feststoffs oder einer Flüssigkeit ist gleich der Dichte (Masse/Volumen) geteilt durch deren Molmasse (Masse/Mol) = Mol/Volumen Die Dichte einer Flüssigkeit
oder eines Feststoffs ändert sich kaum mit der Temperatur und
ist deshalb als konstant zu betrachten.
Wasserhärte
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| CO2 + H2 |
Wasser wird aus dem Ansatz entfernt | Die Reaktion verläuft nach rechts. |
| H2(g) + I2(g)
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Stickstoff wird hinzugefügt | Nichts passiert; N2 ist kein Teil des Gleichgewichts. |
| H2O(l) |
Wasser verdampft in einem offenen Gefäß | Die Reaktion verläuft ständig nach rechts |
| HCN(aq) |
Die Lösung wird verdünnt | Die Reaktion verläuft nach rechts, die Produktkonzentration von H+ und CN- nehmen schneller ab als die von HCN |
| N2 + 3 H2 |
Der Druck wird auf 100 bar erhöht | Die Produktion von Ammoniak wird verstärkt, da die Produkte weniger Volumen ( 2 Molvolumina) einnehmen als die Edukte (4 Molvolumina) |
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Zum Abschluß des Themas soll noch auf eine der wichtigsten technisch genutzten Gleichgewichte hingewiesen werden: die Ammoniaksynthese. Kaum ein chemischer Prozess hat die Politik, die Weltwirtschaft und die Entwicklung der chemischen und pharmazeutischen Industrie mehr beeinflußt als die Ammoniaksynthese aus den billigen Rohstoffen Stickstoff und Wasserstoff. Um die Analyse und großtechnische Herstellung haben sich Haber und Bosch seit 1908 verdient gemacht (BASF). Man nennt das Verfahren zur Herstellung deshalb auch Haber-Bosch-Verfahren wofür 1918 der Nobelpreis in Chemie verliehen wurde. Aus Ammoniak, das an 6. Stelle der am meisten produzierten Stoff in USA steht, werden u.a. Dünger, Salpetersäure, Sprengstoffe und Medikamente hergestellt.
Mit Abstand das meiste weltweit produzierte Ammoniak (ca. 80%) wird für die Düngerherstellung, z.B. als Ammoniumsulfat verwendet. Vom Rest werden Sprengstoffe (Dynamit, TNT usw.), Medikamente, Kunststoffe und Fasern, Farben und Lacke, Kühlmittel usw. hersgestellt., Ammoniak ist ein farbloses Gas mit beißendem Geruch und stark basischer Reaktion. Es ist leichter als Luft (Molmasse 17g) und kann leicht verflüssigt werden. (SiP = -33.5°C., SchmP = -77°C; fest als weiße Kristalle). Es löst sich extrem gut in Wasser. Bei 0°C und 1bar Druck nehmen 1Vol Wasser 1148 Volumina Ammoniak auf (Roscoe and W. Dittmar).
Bei 300°C, hat K einen Wert von 9.6, was zeigt, daß
sich bei dieser Temperatur eine beträchtliche Menge NH3 aus den Elementen
bildet. Da die Ammoniakbildung jedoch exotherm ist (DH° = - 92.0 kJ),führt Temperaturerhöhung
zur Zurückdrängung der Energie-liefernden Reaktion, die Rückreaktion
läuft verstärkt ab: Deshalb wurde ein Katalysator verwendet, der die
Reaktion zwischen Stickstoff und Wasserstoff beschleunigt. Die BASF-Chemiker
Fritz Haber, und Carl Bosch
fanden heraus, daß eine Gemisch von Fe2O3 und
Fe3O4 diese Reaktion bei 400°C bis 600°C
optimal katalysiert. Zusätzlich wurde die Ausbeute von Ammoniak durch
die Anwendung von Druck von 200 bis 400 bar erhöht.
Heute verwendet man- zwar optimiert- aber immer noch dieselbe Methode wie vor 90 Jahren. Der Stickstoff wird aus flüssiger Luft, der Wasserstoff durch Hitzespaltung von Erdgas gewonnen. Hier noch einige Reaktionen zur Bildung der Sekundärprodukte aus Ammoniak: Dünger: 2 NH3 + H2SO4
NH3 + HNO3
Sprengstoff: NH3 + 2 O2 ---> ---> ---> HNO3 + H2O (Ostwald-Verfahren) Glycerin + 3 HNO3 ---> Nitroglycerin + 3 H2O |
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