Eugenik: Definition & Geschichte

2. 4 Humangenetik

2.4.4 Eugenik

Angesichts der enormen genetischen Kenntnisse heute einerseits und dem
Wissen um die genetische Erblast des Menschen sind die Gesetzgeber gefordert,
Richtlinien für den Umgang mit diesem Wissen festzulegen.

Man bezeichnet alle Maßnahmen zur Verbesserung der genetischen
Qualität des Menschen als Eugenik.

Der Begriff Eugenik kommt aus
dem Griechischen und bedeutet Erbhygiene, Erbgesundheitslehre.
Ziel ist es, die Ausbreitung von Genen mit ungünstigen Wirkungen in menschlichen
Populationen möglichst einschränken, andererseits erwünschte Genkonstellationen
erhalten oder vermehren.
Das nationalsozialistische Regime hatte unter Berufung auf angebliche
genetischen Erkenntnisse eine politische Irrlehre über die Eugenik verbreitet
und willkürlich Selektion betrieben, die zum Tod von über 6 Millionen
Menschen führten. Deshalb ist der Begriff Eugenik mit den Greueln
des Nationalsozialismus verknüpft.

Die historischen Wurzeln der Eugenik als pseudowissenschaftliche
Lehre von der Erbgesundheit und Erbhygiene, reichen ins 19. Jahrhundert
zurück. Francis Galton, ein Cousin von Charles Darwin, baute seine
Theorie für eine bessere Menschheit auf der Idee der Züchtung auf: Die
Fortpflanzung «Erbgesunder» sollte gefördert (sogenannte positive Eugenik),
jene der «Erbkranken» (sogenannte negative Eugenik) vermieden werden.

Dieses Gedankengut fand nicht nur in England Nachhall. In den USA erreichte
die Eugenikbewegung ihren Höhepunkt 1924 in rassistisch motivierten Einwanderungsbeschränkungen.
Durch Einwanderer aus Süd- und Osteuropa werde das «reine amerikanische
Blut vergiftet», wurde behauptet. Heute werden z. B. in der Bevölkerungspolitik
Chinas eugenische Kriterien angewandt. Seit 1995 verlangt das Gesetz über
mütterliche und kindliche Gesundheitsvorsorge eine voreheliche Untersuchung
von Mann und Frau. Werden schwerwiegende genetische Mängel diagnostiziert,
darf das Paar nur heiraten, wenn durch medizinische Eingriffe die Kinderlosigkeit
garantiert wird.
Der Begriff Eugenik hatte also je nach Ära seine eigene Bedeutung.

Unser Grundgesetz gibt unter anderem Folgendes
vor:

  • “Die Würde des Menschen ist unantastbar.”
  • “Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung
    seiner Persönlichkeit, …”
  • “Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche
    Unversehrtheit.”
  • “Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt
    werden.”

Diese Prinzipien des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland sind
geboren aus der Idee der Gleichheit aller Menschen und ihrem Recht auf
gesellschaftliche Anteilnahme.

Ein weiteres Dogma ist der Eid des Hippokrates
( Arzt-Gelöbnis):

Bei meiner Aufnahme in den ärztlichen Berufsstand
gelobe ich feierlich, mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen.
Ich werde meinen Beruf mit Gewissenhaftigkeit und Würde ausüben. Die
Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit meiner Patienten soll oberstes
Gebot meines Handelns sein
. Ich werde alle mir anvertrauten Geheimnisse
auch über den Tod des Patienten hinaus wahren. Ich werde mit allen meinen
Kräften die Ehre und die edle Überlieferung des ärztlichen Berufes aufrechterhalten
und bei der Ausübung meiner ärztlichen Pflichten keinen Unterschied machen
weder nach Religion, Nationalität, Rasse noch nach Parteizugehörigkeit
oder sozialer Stellung. Ich werde jedem Menschenleben von der Empfängnis
an Ehrfurcht entgegenbringen und selbst unter Bedrohung meine ärztliche
Kunst nicht in Widerspruch zu den Geboten der Menschlichkeit anwenden
.
Ich werde meinen Lehrern und Kollegen die schuldige Achtung erweisen.
Dies alles verspreche ich feierlich auf meine Ehre
.”

Nicht zuletzt sind für eine große Anzahl Menschen eugenische
Maßnahmen im Widerspruch zu ihrem Glauben.

Insofern haben die nationalen und internationalen Parlamente im
Zeitalter der Gentechnik und der Möglichkeit, Erbkrankheiten medikamentös
zu therapieren die Aufgabe, Widersprüche zu beseitigen, Aufklärung
zu leisten und sachlich und moralisch vertretbare Gesundheitspolitik zu
betreiben.
Die Gesellschaft muß sich der Diskussion und den Konsequenzen
stellen und sie akzeptieren. Die Religionen müssen sich reformieren
und die Trennung von Staat und Kirche muß vollständig vollzogen
werden.

Inzwischen werden viele Vorsorgemaßnahmen, um die Gesundheit lebender
oder künftiger Individuen zu verbessern getroffen. Beispiele sind:

  • die Untersuchung Neugeborener, um für eine eventuelle Behandlung
    rechtzeitig Anomalien zu identifizieren,
  • pränatale Diagnostik wie z. B. Amniozentese,
  • Einführung genetischer Tests und Beratungen,
  • Impfung der Mütter gegen Röteln,
  • Folsäure als Nahrungszugabe vermindert das Risiko einiger angeborener
    Defekte,
  • Aufklärung in Sachen Rauchen u. Trinken von Alkoholika währen
    der Schwangerschaft,
  • Gesetze, die den Schutz des ungeborenen Lebens vor Umwelteinflüssen
    zum Ziel haben,
  • Verbot der Heirat bestimmter Blutsverwandten,
  • Programme zur Geburtenregelung.
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