Blutgruppen: Seltenheit, Tabelle & Erklärung

Schon 1875 entdeckte Landois, daß wenn man die
Erythrozyten von Lämmern mit Blut von Hunden mischt und bei 37°
C bebrütet, die roten Blutzellen des Lamms nach 2 Minuten lysiert
werden.
1901 entdeckte Karl Landsteiner (1930 Nobelpreis für Medizin, siehe
Abb. 41) das erste menschliche Blutgruppensystem
und nannte es AB0-System. Dies ist bis heute beim Blutaustausch das wichtigste
Blutgruppensystem geblieben.

Nach ausgiebigen Tests mit Blut der Mitglieder seines
Labors definierte er 4 Blutgruppen:

A, B, AB und 0.

 

Die Blutgruppen sind Membranrezeptoren der Erythrozyten
(Glykoproteine) und aller anderer Zellen des Körpers und lassen sich
bereits im 3. Schwangerschaftsmonat nachweisen.

Bei der Geburt sind die Rezeptoren jedoch noch nicht
voll ausgereift. Ihre Konzentration nimmt im Laufe des 1. und 2. Lebensjahres
ständig zu.Sie kommen auch im Blutplasma und anderen Körperflüssigkeiten
wie Speichel, Magensaft, Tränenflüssigkeit aber auch in Schweiß,
Urin, Galle, Milch und Samenflüssigkeit vor.

antia

Blutgruppen werden nach den Mendel-Gesetzen vererbt.

Im Blutplasma kommen Antikörper (Agglutinine,
meist IgM oder IgG) vor, die 4 unterschiedliche Antigeneigenschaften haben
können (sie ergeben eine andere Blutgruppensubstanz). Dadurch wird
in die 4 Blutgruppen A , B , 0 und AB unterschieden.
Plasma von Menschen mit der Blutgruppe A
enthält Agglutinin Anti-B (Antikörper
gegen die Blutgruppensubstanz B). Plasma der Blutgruppe
B
enthhält Agglutinin Anti-A.
Das Plasma der Blutgruppe 0 besitzt
die Antikörper Agglutinin Anti-A
und Anti-B. Dagegen sind
im Plasma der Blutgruppe AB keine Antikörper
gegen die Blutgruppensubstanz von A und B vorhanden.
Werden Erythrozyten (rote Blutkörperchen) einer bestimmten Blutgruppe
mit Blutplasma zusammengebracht, das Antikörper gegen die Blutgruppe
hat, so kommt es zur Blutverklumpung.

blutg1

Bei der Übertragung (Transfusion) von nicht gruppengleichem
Blut können deshalb schwere Transfusionszwischenfälle (Schock!)
auftreten. Diese Reaktion ist besonders stark, wenn das Plasma des Empfängers
Antikörper gegen die Erythrozyten des Spenders enthält.

Enthält dagegen das Blut des Spenders Antikörper
gegen den Empfänger, so läuft die Reaktion wegen der starken
Verdünnung der Antikörper in den Blutgefäßen des
Empfängers abgeschwächt ab.

Daher wurden früher Menschen mit der Blutgruppe
0 als Universal-Spender und solche
mit der Gruppe AB als Universal-Empfänger
angesehen. Von extremen Notfällen abgesehen darf allerdings nur blutgruppengleiches
Blut übertragen werden. Vor jeder Blutübertragung muß
eine sogenannte “Kreuzprobe” gemacht werden. Bei dieser Kreuzprobe
wird Spender-Blut und Empfänger-Blut auf die gegenseitige Verträglichkeit
überprüft. Wenn hier keine Blutverklumpung eintritt, kann das
Blut übertragen werden.

Antigene und Antikörper im ABO-System:


Blutgruppe

Häufigkeit
BRD

Untergruppe

Antigene auf Erys

Antikörper im Serum

O

43,6 %


H(*1)

anti-A, Anti-A1, anti-B

A

34,7%

A1

A + A1

anti-B

8,3%

A2

A

anti B, anti A1(*2)

B

9,7%


B

anti-A, anti-A1

AB

2,9%

A1B

A+A1+B

keine

0,8%

A2B

A + B

anti A1(*2)

*1 Mit sehr seltenen Ausnahmen findet man das H-Antigen
auf menschlichen Blutzellen.
*2 Anti A1 wird bei 1% der A2 Gruppe und bei 25% der A2B-Gruppe gefunden.

Für die Bestimmung der AB0-Blutgruppen werden staatlich-geprüfte
Antiseren der Spezifitäten Anti-A, Anti-B und Anti-AB verwendet.
Zur Vermeidung von Verwechslungen sind die Seren gefärbt:


Anti-A ist blau

Anti-B ist gelb

Anti-AB ist ungefärbt

Die Prüfung der Ausscheidung von AB0-Substanzen
gelingt am einfachsten im Speichel.

Weitere Blutgruppen bzw. -systeme sind : Duffy -, Kell-,
Cellano -, Kidd -, Lewis -, Lutheran -, MNS -, P- und Rhesusfaktor.
Davon ist das Rhesus-System das
wichtigste. Es wurde von Landsteiner und Wiener 1940 entdeckt.

Rhesusfaktor

Landsteiner wollte Antikörper gegen Erythrozyten
des Rhesusaffen in Kaninchen und Meerschweinchen produzieren. Dabei entdeckte
er, daß dieselben Antikörper auch beim Menschen die Erythrozyten
agglutinisieren. (bei 85% der weißen und 92 % der schwarzen Bevölkerung)

Wenn ein entsprechendes Antiserum die menschlichen Erys
agglutinisiert, besitzen die Erythrozyten den Rhesus-Faktor.
Das Blut ist Rh+, bei keiner Reaktion ist
es Rh-.

Das Rhesussystem ist sehr komplex, da 3 Gene für
die Antigene verantwortlich sind: C, D, and E, auf dem 1. Chromosom. An
jedem Genort liegen 2 Genvarianten (Allele): c oder C; d oder D; und e
oder E.

Besitzt der Mensch mindestens die Genvarianten (Genotypen)
C, D, E (Rh/Rh) und damit die entsprechenden
Antigene als Genprodukte, ist er Rhesus
positiv
. Nur Individuen mit dem Genotyp cde/cde
(rhrh) sind Rhesus negativ.
Auch der Rhesusfaktor vererbt sich nach den Mendelschen Regeln.

Antikörper des Rh-Systems sind fast immer Immunantikörper,
stimuliert durch eine Übertragung genetisch differenten Blutes anderer
Menschen anläßlich einer Schwangerschaft oder einer Bluttransfusion.
Rh-ähnliche Substanzen sind in der Natur bisher nicht nachgewiesen.
Eine Entstehung sogenannter natürlicher Antikörper, wie im Falle
des AB0-Systems, ist deshalb nicht zu erwarten. Rh-Substanzen
werden nicht mit Sekreten ausgeschieden.

Der Resusfaktor wird während der Schwangerschaft
wichtig, wenn eine Rh-negative Mutter
ein Rh-positives Kind trägt.
Der Embryo kann nur durch den Rh- positiven Vater Rh-positiv sein.

Probleme treten bei 0,5% der Schwangerschaften
auf. Besonders während der Geburt dieses 1. Kindes gelangt eine größere
Menge kindliches Rh+-Blut in den Kreislauf der Rh- -Mutter. Dabei werden
Antikörper dagegen gebildet und zerstören das eingedrungene
Blut des Kindes. Die ebenfalls gebildeten Gedächtniszellen sorgen
jedoch dafür, daß bei einer künftigen Schwangerschaft
sehr schnell Antikörper gegen das kindliche Blut des ebenfalls Rh-positiven
2. Kindes gebildet werden. Dies führt zu einer Zerstörung der
kindlichen Erythrozten und zu einer Blutkrankheit im Fötus genannt
Erythroblastosis fetalis (Erythroblastose).

Dabei wird durch den Abbau des Hämoglobins der agglutinisierten
Blutzellen Bilirubin gebildet, das das Gehirn schädigt und Haut und
Gewebe gelb färbt (Gelbsucht). Als Folge produziert der Embryo schnell
große Mengen an neuen Blutzellen, was die Leber und Milz anschwellen
läßt. Falls nicht ein sofortiger Blutaustausch mit Rh+ – Blut
erfolgt, stirbt der Embryo u.a. an Herzversagen.

Durch vorgeburtliche Untersuchungen können heute
99% aller Probleme behoben werden. Man kann vor der Bildung der mütterlichen
Antikörper und Gedächtniszellen Rh+-Immunoglobulin injizieren,
sodaß die eingedrungen kindlichen Erythrozyten zerstört werden.
Auf diese Weise erfolgt keine Immunreaktion bei der Mutter. Dies muß
nach jeder Schwangerschaft wiederholt werden.

 


Abb. 41
 

Karl Landsteiner

 


landste

 

 

 


Abb. 42
 

Blutgruppen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Abb. 43
 

Blutgruppen und Spender

 


blutspe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Abb. 44
 

Erythroblastose fetalis

 

erythrob
intakte und defekte Erys

 

 

 

Weiterführende
Quellen:

Blutgruppenhttp://www.ultranet.com/~jkimball/BiologyPages/B/BloodGroups.html
Blutgruppenbestimmunghttp://www.rrz.uni-hamburg.de/biologie/b_online/dv01/1_12.htm
Karl Landsteinerhttp://www.billrothhaus.at/intro.html
Rhesusfaktorhttp://nobelprize.org/medicine/educational/landsteiner/readmore.html
http://www.childbirthsolutions.com/articles/preconception/rhesus/index.php
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