Ovarialzyklus: Phasen des Menstruationszyklus, Anti-Baby-Pille Wirkungsweise

4.5 Regelung des
Ovarialzyklus
4.5.1 weibliche
Sexualorgane, hormonelle Regelung, Ovulationshemmer
 

Das reproduktive System weiblicher Säugetiere und
des Menschen liegt vollständig im Körper. Die hormonelle Regulation
der dort zyklisch verlaufenden Vorgänge wird durch die Ovarien
(Eierstöcke) und Teilen des Gehirns: den Hypothalamus und die Hypophyse
bewerkstelligt.
Bei den Primaten wie Affen und Menschen und den Mäusen und Ratten
ist der weibliche sexuelle Zyklus während des ganzen Jahres aktiv.
Bei den anderen Säugetieren wie z.B. Kühen und Schafen wird
der Zyklus meist nur innerhalb einer bestimmten Jahreszeit (Läufigkeit)
aktiviert. Weibliche Hunde besitzen zwei jährlich Brutzeiten.
Viele Säugetiere werden innerhalb der Brunftzeit mehrfach in Intervallen
sexuell aktiv. In dieser Zeit werden die weiblichen Tiere empfänglich
und attraktiv für die männlichen Tiere. Man nennt diese Zeit
erhöhter sexueller Aktivität Östrus.

Während des Östrus geschieht die Ovulation
(Eisprung). Bei Frauen ist der sogenannte Ovarialzyklus
(= Menstruationszyklus) gekennzeichnet durch die Ausscheidung von Blut
durch die Vagina. Diese regelmäßigen Perioden werden Menstruation
(Monatsblutung) genannt, da sie im Mittel alle 28 Tage auftreten.

Kurze Anatomie der inneren Sexualorgane der Frau

Die inneren Geschlechtsorgane der
Frau liegen im Becken. Dazu gehören die
Scheide
(Vagina), die Eileiter (Tubae uterinae) und die
Eierstöcke
(Ovarien).ovar2 - Ovarialzyklus: Phasen des Menstruationszyklus, Anti-Baby-Pille Wirkungsweise

Die beiden Ovarien sind teilweise vom Ende der
Eileiter umgeben. Sie enthalten schon bei der Geburt ca. 400 000 Eizellen
(Oozyten), die in Eibläschen (Follikeln
lagern). Die Eizelle ist mit 0,2 Millimeter Durchmesser die größte
Zelle des menschlichen Körpers.

sexor2 - Ovarialzyklus: Phasen des Menstruationszyklus, Anti-Baby-Pille Wirkungsweise

Die beiden Eileiter führen zum Uterus, der innen
von einer Schleimhaut (Endometrium) ausgekleidet
ist. Der Uterus ragt mit dem Cervix und dem Muttermund in die Vagina.

Menstruationszyklus der Frau – die Phasen

Der Ovarialzyklus der Frau umfaßt im Mittel 28
Tage. Er kann jedoch zwischen 21 und 35 Tagen variieren. 20% der Frauen
besitzen einen irregulären Zyklus. Die Zykluslänge ist das Intervall
zwischen zwei Menstruationsblutungen und beginnt am ersten Blutungstag.
Die Dauer der Menstruation liegt in der Regel zwischen vier und sechs
Tagen; die Stärke ist individuell verschieden. Durchschnittlich verliert
die Frau während der Menstruation etwa 40 ml Blut. Die Menstruation
tritt nur dann auf, wenn keine Schwangerschaft vorliegt.
Der Zyklus läuft in 3 Phasen ab und ist durch charakteristische Vorgänge
gekennzeichnet.

  1. Menstruationsphase:
    Während dieser Zeit wird die Uterusschleimhaut abgestoßen
    (Menstruationsblutung). (ca. 6 Tage)
  2. Die Follikel- oder
    Proliferationsphase:

    Während der proliferativen Phase reift ein Ei im Follikel (Ovar)
    und die Uterusschleimhaut wird wieder erneuert bzw. baut sich auf. Am
    14. Tag gelangt dann ein Ei zum Eisprung (Ovulation).
    Die Eileiter fangen das bei der Ovulation abgegebene Ei auf. Im oberen
    Teil kann nun eine Befruchtung durch eingedrungene männliche Spermatozyten
    stattfinden. Eine Eizelle kann nur ca. zwölf Stunden befruchtet
    werden, danach stirbt sie, Samenzellen bleiben bis zu 72 Stunden im
    Gebärmutterhalskanal am Leben.
  3. Sekretorische Phase
    Nach der Ovulation beginnt die sekretorische Phase,
    während der das im Ovar zurückgebliebene Follikel zu einer
    Hormondrüse wird, dem Gelbkörper.
    Die Eizelle wandert mit Hilfe von Cilien durch den Eileiter und nistet
    sich, falls befruchtet ca. am 20. Tag des Zyklus in der Gebärmutterschleimhaut
    ein. Falls nicht befruchtet, wandert die Eizelle ohne Einnistung entlang
    dem Uterus und wird am Ende des Zyklus mit der Schleimhaut abgegeben.

Der gesamte Vorgang ist in der nachfolgenden interaktiven
Animation zusammengefaßt:

ova1 - Ovarialzyklus: Phasen des Menstruationszyklus, Anti-Baby-Pille Wirkungsweise

Die komplexen Vorgänge während des Zyklus werden
durch verschiedene Hormone des Hypothalamus, der Hypohyse, des Ovars und des Gelbkörpers gesteuert.

Hormonelle Regulation des Ovarialzyklus

Der Ablauf des Ovarialzyklus wird durch 5 Hormone geregelt.
Diese werden in unterschiedlichen Konzentrationen während des Zyklus
von verschiedenen als Hormondrüsen funktionierenden Geweben gebildet.
Hormone, Bildungsorte und Wirkungen sind in der folgenden Tabelle zusammengestellt:

Hormon
Bildungsort
Wirkung
GnRH (auch FSH/LH-RH)
(Gonadotropin freisetzendes Hormon)
Hypothalamus
stimuliert die Hypophyse , damit FSH
und LH freigesetzt wird
LH
(Luteinisierendes Hormon)
Hypophyse
große Mengen veranlassen reife
Follikel die Eizelle samt Follikelflüssigkeit (mit Östrogenen)
freizusetzen; Danach wird das Follikel zum Gelbkörper und setzt
steigende Mengen Progesteron frei
FSH
(Follikel-Stimulierendes Hormon)
Hypophyse
stimuliert in den Ovarien die Follikelreifung
und damit höhere Östrogenproduktion
Östrogene
(Östrogen, Östradiol, Östron usw.)
Ovar
(Follikel)
verursachen schnelles Wachstum der Uterusschleimhaut;
ansteigende Östrogenspiegel haben einen negativen Feedback-Effekt
auf den Hypothalamus und GnRH. Dadurch wird die GnRH-Produktion gedrosselt
und ebenfalls die FSH/LH-Produktion; sehr hohe Östrogenmengen
kehren den Effekt in einen positiven Feedback-Effekt um und fördern
die GnRH-Produktion, was schnell FSH und LH ansteigen läßt.
Progesteron
Ovar
(Gelbkörper)
Bewirkt eine Verdickung der Uterusschleimhaut
und macht Sie schwammig und mit Drüsen durchsetzt und empfänglich
für eine befruchtete Eizelle; hat einen negativen Feedback-Effekt
auf die Hypophyse; verursacht ein Absinken der LH-Produktion was zu
einer Degenerierung des Gelbkörpers und damit der Progesteron
und Östrogenproduktion führt. Das Fehlen von Progesteron
führt zur Abstoßung der Uterusschleimhaut.

Weitere Wirkungen von Östrogen und Progesteron:

Wirkungen von Östrogen
Wirkungen von Progesteron

stimuliert Schleimproduktion im Uterus

erhöht die Zähigkeit des cervikalen Schleims, so daßSpermas
schlechter eindringen können

stimuliert das Wachstum des Vagina-Epithels

fördert die Brust- und Brustdrüsenentwicklung

stimuliert Verteilung von Fett im weibl. Organismus

erhöht nach der Ovulation die Körpertemperatur um ca.
0,5° C

erlaubt während der sexuellen Entwicklung stärkeres Wachstum

Mangel führt in der Menopause zu Osteoporose

Der Menstruationszyklus wird durch die Wirksamkeit von
3 Faktoren verständlich:

1. GnRH des Hypothalamus kontrolliert die Freisetzung
von FSH / LH,
2. die Entwicklung des Follikels im Ovar und spätere Gelbkörperbildung
und
3. die Feedback -Steuerung der FSH / LH Sekretion durch die Hormone des
Ovars.

Die Hormone werden ins Blut ausgeschüttet und gelangen
so zu den Zielorganen. Zielorgan von Östrogene und Progesteron,
die als Zielorgane die Uterusschleimhaut, die Hypophyse und den Hypothalamus
haben.

feedb1 - Ovarialzyklus: Phasen des Menstruationszyklus, Anti-Baby-Pille Wirkungsweise

Die entsprechenden Wirkungen der verschiedenen Hormone sind links dargestellt.
Die Produktion von FSH durch die Hypophyse kann als Ausgangspunkt des
Menstruationszyklus betrachtet werden. Unter dem Einfluß von FSH
entwickeln sich in den ersten beiden Wochen in den Ovarien die Follikel.
Die steigenden Mengen an FSH im Blut stimulieren die Follikelzellen zur
Herstellung von Östrogen. Dadurch wird die Uterus-schleimhaut regeneriert.
Steigende Mengen hemmen die FSH-Produktion durch negative Rückkopplung der Hypophyse immer mehr. Große Mengen Östrogen fördern
dagegen durch positive Rückkopplung die LH-Produktion der Hypophyse,
was

zum schnellen Wachstum der Follikel und zur Ovulation
führt. (13. Tag). Unter dem Einfluß von LH bilden sich die Follikel
durch Einlagerung großer Follikelzellen, die ein gelbliches Pigment
enthalten zum Gelbkörper um. Der Gelbkörper produziert dann
das Hormon Progesteron. Dieses hemmt
in der Sekretionsphase die GnRH-Produktion des Hypothalamus und dadurch die FSH/LH-Bildung der Hypophyse (negative
Rückkopplung
).
Nistet sich keine befruchtete Eizelle in die Uterusschleimhaut ein degeneriert
der Gelbkörper, die Hormonspiegel von Östrogen und Progesteron
fallen stark ab, was zur Abstoßung der Unterusschleimhaut führt
(28.Tag).menst3 - Ovarialzyklus: Phasen des Menstruationszyklus, Anti-Baby-Pille Wirkungsweise

Empfängnisverhütung

In Deutschland gibt es derzeit 18 Millionen Frauen im
reproduktiven Alter. Ca. die Hälfte benützt die verschiedenen
Methoden zur Empfängnisverhütung. Von diesen Methoden soll hier
nur die hormonelle Kontrazeption
(Empfängnisverhütung) besprochen werden.

Durch gezielte Gabe von Sexualsteroiden (Östrogenen
und Gestagenen (Progesteron) während des Ovarialzyklus kann eine
Empfängnisverhütung erzielt werden. Diese Methode wurde 1960
in den USA von den Biochemikern Gregory
Pincus
und dem aus Österreich stammenden Carl
Djerassi
entwickelt, was damals einer medizinischen wie
auch gesellschaftlichen Revolution gleichkam (=Anti-Baby-Pille).
Dabei wird vor allem die Hemmung der GnRH-Freisetzung von Progesteron
und Derivaten ausgenützt.

Man unterscheidet dabei 2 Formen:

Kontrazeption mit Gestagen-Monopräparaten

Die einfachsten Präparate zur hormonalen Kontrazeption
enthalten nur geringe Mengen eines Gestagens. Sie sind in oral zu verabreichender
Form als sogenannte Minipille auf
dem Markt. Ferner gibt es verschiedene Formen von Depot-Präparaten
(zur Injektion, als Implantat, als Vaginalring und als intrauterines System).

Der Eingriff in den ovariellen Zyklus führt bei
den meisten Gestagen-Monopräparaten nicht regelmäßig zur
Unterdrückung der Ovulation. Entscheidend für die kontrazeptive
Sicherheit sind vielmehr periphere Effekte, die aufgrund der kontinuierlichen
Einnahme eines Gestagens hervorgerufen werden.

Kontrazeption mit Ovulationshemmern
(“Anti-Baby-Pille” = OC orale Kontrazeptiva)

Hormonale Kontrazeption mit Präparaten, die eine
Kombination aus einem synthetischen Östrogen (zwischen 20
bis 30µg meist Ethinylöstradiol) und einem synthetischen Gestagen
enthalten, sollen verhindern, daß ein sprungreifer Follikel heranwächst.
Die kontrazeptive Wirkung solcher Ovulationshemmer basiert im wesentlichen
ebenfalls auf der Gestagen-Komponente. Je nach Komponente kann es zu androgenen
Nebenwirkungen kommen.

Wirkungsweise der Anti-Baby-Pille

Neben der Unterbindung des Eisprungs haben die in der hormonellen Mittel folgende, eine Schwangerschaft beeinflussende Wirkungen:

  • Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut,
    die eine Einnistung einer befruchteten Eizelle erschweren.
  • Veränderungen der Konsistenz
    des Schleims im Gebärmutterkanal. Auf diese Weise wird der Eintritt
    von Spermien in die Gebärmutter be- bzw. verhindert.
  • Einige Mittel beschleunigen
    den Transport der Eizelle im Eileiter. Dies verringert den Zeitraum
    einer möglichen Befruchtung.

Wenn die hormonellen Mittel in Form einer Pille eingenommen
werden, beginnt die Einnahme zu Beginn des Zyklus, am ersten Tag der normalen Regel. Die Pillen werden dann an 21 aufeinanderfolgenden Tagen eingenommen. Danach folgt eine einwöchige Pause, während der es zu einer menstruationsähnlichen Entzugsblutung kommt, die aber kürzer, schwächer und weniger schmerzhaft als die Regelblutung ist. Während der Einnahme der Pille gibt es keine Blutung. Eine Empfängnisverhütung besteht über den gesamten Zeitraum, also vier Wochen lang. Da hormonelle Empfängnisverhütungsmittel als hochwirksame Medikamente auf alle Organsysteme im Körper wirken, ist es nicht überraschend, daß es häufig zu unerwünschten 
Nebenwirkungen kommt.

 


Abb. 42
 

Hormondrüsen der Frau

 

ovarial1 - Ovarialzyklus: Phasen des Menstruationszyklus, Anti-Baby-Pille Wirkungsweise
 

 

 

 


Abb. 43
 

Sexualorgane der Frau

 

 
embryo1 - Ovarialzyklus: Phasen des Menstruationszyklus, Anti-Baby-Pille Wirkungsweise

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Abb. 44
 

Menstruationszyklus

 

 

 

Weiterführende
Quellen:

Sexualität der Hündinhttp://www.drc-online.org/health/sex1.html
Weiblicher Sexualzyklushttp://easyweb.easynet.co.uk/~middlecroft/biology/sexual.htm
Weibliche Sexualorganehttp://www.9monate.de/Weibliche_geschlechtsorgane.html
Ovulationhttp://lls.stcc.mass.edu/tamarkin/AP/AP2pages/reprod/ovulatio.htm
Fehleinistungen der Eizellehttp://gin.uibk.ac.at/gin/freihtml/embryo.htm
Empfängnisverhütunghttp://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/gyn-e001.htm
http://www.gynehormonweb.de/WebSite/A-Kontrazeption/A-Kontrazeption.html

http://www.9monate.de/Hormonelle_kontrazeption
Visible Embryohttp://visembryo.com/baby/index.html
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