Energieumsatz: Grund-und Leistungsumsatz beim Menschen

Im vorigen Kapitel haben wir genau besprochen, wie Organismen
Energie für die Lebensvorgänge gewinnen. Jede Zelle hat ihre
eigenen Kraftwerke und energieproduzierenden Stoffwechselvorgänge.

Nun wollen wir den Energieumsatz
für ein ganzes Lebewesen genauer analysieren, also die Energie, die
z. B. ein Mensch oder ein Tier benötigt. Die einzelnen Individuen
einer Population unterscheiden sich jedoch bezüglich ihres Energiebedarfs
je nach Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand, körperlicher Leistung
oder umgebendem Klima.

Ein Leopard verbraucht während der Jagd auf Beute
sicher mehr Energie als im Ruhezustand. Auch ein Kleinkind benötigt
weniger Energie als ein Erwachsener und kranke Menschen nehmen weniger
Nahrung auf als Gesunde. Ein 10 000 m-Läufer verbraucht während
eines Laufs beträchtlich mehr Energie wie ein Schüler, der in
der gleichen Zeit gerade schreibt.

Man unterscheidet bezüglich des Energieumsatzes
zwischen der Energiemenge, die notwendig ist, um die Lebensvorgänge
aufrecht zu halten und nennt sie Grundumsatz
(GU)
. Die genaue Definition lautet:

Der
Grundumsatz
ist die Engergiemenge, die ein Mensch bei Ruhe für die Aufrechterhaltung
der lebenswichtigen Körperfunktionen (Atmung, Herzschlag, Drüsenfunktion)
pro Tag benötigt.

Der Grundumsatz
ist vor allem abhängig von Geschlecht, Alter, Größe,
Gewicht, Muskelmasse sowie bestimmten Hormonen. Für einen Erwachsenen
beträgt der Grundumsatz im Durchschnitt 1 kcal (Kilokalorie)
pro kg Körpergewicht und Stunde.

Davon wird die Energie unterschieden, die man für zusätzliche
Leistungen braucht, der Leistungsumsatz.

Der Leistungsumsatz
ist die Energiemenge, die unser Körper innerhalb eines Tages
benötigt, um Arbeit zu verrichten. Als Leistungsumsatz wird
dabei die Energie bezeichnet, die über den Grundumsatz (Energiebedarf
für Organtätigkeiten bei völliger Ruhe) hinausgeht.

Der Leistungsumsatz ist abhängig von körperlicher
Aktivität, Wärmeproduktion, Verdauungsarbeit und dem Bedarf
für Wachstum, Schwangerschaft und Stillzeit.

Grundumsatz und Leistungsumsatz ergeben zusammen den
Gesamtumsatz, d.h. den gesamten
Energiebedarf einer Person pro Tag.

2.6.1 Grund-und Leistungsumsatz beim Menschen

Für den Menschen gibt in Deutschland die Deutsche
Gesellschaft für Ernährung Empfehlungen zur Höhe der Energiezufuhr.
Wegen der sehr unterschiedlichen Lebensbedingungen sind diese Zahlen aber
nur als Orientierung zu verstehen. Ob die eigene Energieaufnahme dem Energiebedarf
entspricht, kann anhand des Körpergewichtes kontrolliert werden.

Der Energiebedarf des Menschen kann
hier
genau berechnet werden.

Grundsätzlich unterscheidet man 2 Meßmethoden,
um z. B. den Grundumsatz zu bestimmen:

die direkte
und die indirekte Kalorimetrie.

Bei der direkten Kalorimetrie
wird der Energieumsatz über die Wärmeabgabe des Organismus
bestimmt. Dazu muß er in eine geeignete Meßumgebung gebracht
werden: ein Kalorimeter.

Messung des Energieumsatzes

Der Energieumsatz kann durch Kalorimetrie
direkt oder indirekt bestimmt werden. Bei der direkten Kalorimetrie
wird die Wärmeabgabe eines Prozesses oder Organismus unter definierten
Bedingungen gemessen. Schon 1780 erkannten Lavoisier und LaPlace, daß
Tiere die Energie der Nahrung in Wärme umwandeln und daß
dieser Atmungsprozess lebenswichtig ist. Ein Kalorimeter für die
Untersuchung chemischer Prozesse ist in Abb. 5.5 zu sehen.

calorim3 - Energieumsatz: Grund-und Leistungsumsatz beim Menschen

Dabei gilt:

(Fette, Proteine,
Kohlenhydrate) + Sauerstoff ——> CO2 + H2O
+ ATP +Wärme.

Kohlenhydrate,
Fette und Proteine
bezeichnet man als Hauptnährstoffe.
Sie dienen hauptsächlich der Energiegewinnung in den Zellen, daneben
werden sie für den Anabolismus, den
aufbaueneden Stoffwechsel verwendet. Die anderen Inhaltsstoffe
der Nahrung wie Mineralstoffe
und Vitamine wirken vornehmlich
als Reglerstoffe bei Stoffwechselvorgängen.
Wasser ist u.a. als Lösungsmittel
für die biochemischen Prozesse, als Baustoff, für die Turgeszenz
der Zellen und Quellfähigkeit der Proteine verantwortlich. Er macht
mengenmäßig den Hauptteil eines Organismus aus (Mensch: ca.
65- 75%). Die Dissimilation der Kohlenhydrate und Fette ist prinzipiell
in der Abb. 88 dargestellt.

grundu - Energieumsatz: Grund-und Leistungsumsatz beim Menschen

Die direkte Kalorimetrie wird heute beim Menschen nur
noch selten durchgeführt. Einfacher ist die indirekte Bestimmung
über die Atemgase. (siehe Abb. 89)
Dabei wird der Grundumsatz eines Menschen, 12 Stunden nüchtern
und völlig entspannt bei einer Temperatur von (bekleidet) 20 °C
und unbekleidet 30 °C bestimmt.
Der Normwert beträgt ca. 7100 kJ/Tag (männl., 70 kg). Dabei
nimmt er 245 ml/O2 pro Minute auf.

Als
Faustregel
gilt: 100 KJ/Tag/kg Körpergewicht.


Grundumsatz bei Männern verschiedener
Populationen

Alter
(Jahre)

Gewicht
(kg)
Ø

BMI
(kg/m2)

Körperfett
(% )

Grundumsatz
kJ/kg
gemessen


BMR
(kJ/kg)
berechnet

gemessen/
berechnet
(% )

Europäer

24.9

68.1

22.6

17.2


112.6

106.2

106

Afrikaner

28.2

67.1

22.9

16.8


100.8

106.7

94

Asiaten

27.0

63.9

22.7

18.0


105

108.8

96

Inder

24.6

61.4

20.7

14.3


111.3

110.9

100


Quelle:
http://www.unu.edu/unupress/food/8F144e/8F144E0g.htm

Links ist die direkte kalorimetrische Bestimmung des
Energieumsatzes einer Maus zu sehen.

maus - Energieumsatz: Grund-und Leistungsumsatz beim Menschen

 

Bei der indirekten Kalorimetrie
wird über die Atemgase auf den Energieumsatz geschlossen. Wie wir
ja von der Zellatmung wissen, benötigt man O2, um die
Nährstoffe zu oxidieren und Energie zu gewinnen. Die eingeatmete
Menge ist proportional dem Energieumsatz. Zusätzlich kennt man die
stöchiometrischen Zusammenhänge (siehe Atmungsgleichung).
Dabei ist der respiratorische
Quotient (RQ)
wichtig.

Kenngrößen
bei Nährstoffen
NährstoffBrennwert
(KJ/g)
O2 -Verbrauch (Liter)Kalor. Äquivalent
(KJ/Liter O2)
RQ
Kohlenhydrate

17,2

0.84

21

1.0
Fette

39,0

2.00

19,7

0.7
Proteine

17.2*

0.96

18,9

0.8
Nährstoff- Mix

—-

—-

20,18

0.9

* physiologischer Brennwert

2.6.2.1 Energiebedarf

Inzwischen hat man tausende von Messungen bei Mensch
und Tier durchgeführt und kann Regeln für die Energieberechnung
aufstellen. Beim Mensch gilt:

Ermittlung der Grundumsatzenergie (Mensch)
:


Regel :
pro kg KG und Stunde =
1
kcal (4,2 KJ)
bzw.

für 1 Tag pro kg KG x 24 Std. x 1
Kcal (4,2 Kj) =
24 kcal (~100 KJ)

somit beträgt der “Energiefaktor
(oder -multiplikator) für den

GU = 24 kcal (100 Kj) pro kg KG (KG
= Körpergewicht)

Zum Energiebedarf des Grundumsatzes (GU), ist der individuelle
Leistungs- oder Arbeitsumsatz
durch entsprechenden Leistungszuschlag
zu errechnen.

Er beträgt, abhängig von der körperlichen
Aktivität (Muskelarbeit) ca. 10 – 100 % des GU.

Beispiel:

70 kg KG leichte Tätigkeit; GU: 70 kg KG
x 1 Kcal (4,2 Kj) = 70 Kcal (294 Kj) / pro Stunde

GU: 70 Kcal (294 Kj) x 24 Std. = 1680 Kcal (7056 Kj)
/ pro Tag

zuzüglich 30 % des GU für = 504 Kcal (2117
Kj) Leistungsumsatz (leichte Tätigkeit)

ergibt den Energietagesbedarf von
2184 Kcal ( = 9173 KJ)
pro Tag.


 

Würde man sich nur von Glucose ernähren,
ergäbe sich folgende tägliche Menge:

1 Mol Glucose ( = 180 g) liefert 2994 KJ (siehe Photosynthese).

Für den Tagesbedarf von 9173 KJ müßte
man 9173*180/2994 = 551,5 g Glucose essen, ein halbes Kilo pro
Tag.

Die verbrauchte Sauerstoffmenge läßt sich
über die Atmungsgleichung ermitteln.

Aus der Gleichung: Glucose + 6 O2 —->
6 CO2 + 6 H2O
entnehmen wir, daß für
die Verbrennung von180g Glucose (=1 Mol), 6 Mol O2 mit einem
Molvolumen von 6 x 22,4 = 134,4 Litern verbaucht wird. 551,5 g Glucose
brauchen die 3,06 fache Menge also 411 Liter O2 pro
Tag. Die gleiche Menge Treibhausgas CO2 wird pro Tag ausgeschieden.
Bei ca. 6 Milliarden Menschen mit 70 Kg sind dies:

 2,46 x 1012 Liter CO2 pro Tag; diese wiegen
4,8 x 106 Tonnen ( Molmasse CO2
= 44g).

Diese Menge ist jedoch nichts im Vergleich zur Atmung verschiedener
Tiere.


 

Bei der Verbrennung von Kohlenhydraten
(KH)
fällt auf, daß die gleiche Menge CO2
ausgeatmet wie O2 eingeatmet wird. Man faßt dies im Respiratorischen
Quotienten RQ
zusammen:


RQ KH = ausgeatmete Menge CO2/ eingeatmetes O2
= 1

Werden hauptsächlich Fette aufgenommen
und biologisch oxidiert ( bOxidation,
ein Abbauweg der Fettsäuren in Acetyl-CoA spaltet), ist dieser Quotient
niedriger RQ Fett = 0,7. Das beim Menschen in der Unterhaut
gespeicherte Fett besteht haupsächlich aus Triglyceriden mit Glycerin
und Palmitinsäure. Die Oxidation der Palmitinsäure kann wie
folgt formuliert werden:


C15H31COOH + 23 O2 —> 16 CO2
+ 16 H2O
RQ Fett
= 16/23 = 0,7.

Allgemein gilt das Gesetz von Kleiber:

Kilokalorien /Tag = K
0.75
(Körpermasse Tier)

kleiber - Energieumsatz: Grund-und Leistungsumsatz beim Menschen

Kleiber’s Gesetz sagt aus, daß
der Grundumsatz auf einer log. Skala eine lineare Funktion der Körpermasse3/4
ist. Das Gesetz gilt von Bakterien bis zum Wal (Nature 2000 Feb 10,
vol 403:597)

Der Energieverbrauch der Organismen ändert
sich auch je nach Lebensabschnitt. In Abb. 93
ist der Energieverbrauch für Wachstum in Leben einer Sardine zu
sehen.

sardin - Energieumsatz: Grund-und Leistungsumsatz beim Menschen

 

2.6.2.2 Ernährung

Aus der obigen Berechnung ergibt sich, daß
der Mensch entsprechend des Bedarfs von ca. 9000 KJ /pro Tag solche
Nährstoffkombinationen zu sich nehmen muß, daß er diesen
Bedarf decken kann. Bekanntermaßen legen fast alle Organismen Energiereserven
an, falls Nahrungsaufnahme nicht möglich ist. Die Säugetiere
und der Mensch tun dies in Form von Kohlenhydraten und Fetten,
die in verschiedenen Bereichen des Körpers gespeichert sind.

Als Speicherkohlenhydrat wird Glycogen verwendet,
ein Polysaccharid, ähnlich dem Amylopektin,
das in Muskel, Leber und Niere ca. 48 Stunden zur Verfügung steht.
Fette sind sogenannte Langzeitenergiereserven. Übermäßige
Nährstoffzufuhr von Fett und Kohlenhydrat führt in den Fettzellen
des Unterhautfettgewebes und um die Organe zur Fettsynthese.

Die Nahrung muß jedoch nicht nur den Energiebedarf
decken, sondern auch den Bedarf an Stoffen, die der Organismus für
den Baustoffwechsel (Anabolismus) benötigt. Jede Organismenart
hat aufgrund seiner Genetik seine speziellen Nahrungsansprüche.

Neben den 3 Hauptnährstoffen Kohlenhydrate,
Fette und Proteine
, die bei jeder Tierart in einem bestimmten optimalen
Verhältnis aufgenommen werden muß, sind essentielle
Substanzen notwendig, die der Körper nicht selbst herstellen kann
wie Vitamine, Mineralstoffe und bestimmte Aminosäuren.
Autotrophe Organismen benötigen außer Mineralstoffen keine
weiteren essentiellen Stoffe, heterotrophe Lebewesen dagegen haben teilweise
umfangreiche Bedürfnisse.

Der menschliche Stoffwechsel ist optimal auf kombinierte
tierische wie pflanzliche Ernährung ausgerichtet. Längerfristige,
einseitige Ernährung zum Beispiel mit unausgewogener, rein pflanzlicher
Nahrung führt zwangsläufig beim Menschen zu Mangelerscheinungen,
da ausreichende Mengen essentieller Nahrungsbestandteile wie bestimmte
Aminosäuren fehlen.

2.6.3 Gleich- und wechselwarme Organismen

Ca. 1% der Tierwelt, Säugetiere und Vögel
können im Gegensatz zu den Fischen, Amphibien, Reptilien und Wirbellosen
ihre Körpertemperatur unabhängig von der Umgebungstemperatur
konstant halten. Man nennt diese Eigenschaft gleichwarm
oder homoiotherm
. Die meisten
Säugetiere besitzen eine Körpertemperatur zwischen 36- 39 °
C, Vögel ca. 42 ° C.

Tierart

Körpertemperatur (°C)

Pferd37,6
Affen und Walrösser38
Rind38,3
Schaf39,1
Schwein39,2

voegel - Energieumsatz: Grund-und Leistungsumsatz beim Menschen

Die Wärme wird hauptsächlich durch den eigenen
Stoffwechsel und Muskelbewegung produziert. Deshalb nennt man Gleichwarme
auch Endotherme.
Die Regulation erfolgt über
das Zentralnervensystem. Außerdem besitzen sie mechanischen Schutz
in Form von Fettschichten, Haaren und Federn, um den Abwärmeverlust
der Zellatmung und anderer wärmeproduzierender Vorgänge zu minimieren.

_hair1 - Energieumsatz: Grund-und Leistungsumsatz beim Menschen

Bei Temperaturänderung melden Thermorezeptoren
(es gibt Kälte- und Wärmerezeptoren) in der Haut und im Gehirn
selbst die Änderung dem Gehirn.

Der Thermostat sitzt im Zentrum des Gehirns, dem
Hypothalamus. Das Zentrum für Erwärmung kontrolliert
über Nerven die Verengung der Blutgefäße und die Stellung
der Haare (Federn). Das Kühlzentrum steuert die Erweiterung
der Blutgefäße und das Schwitzen oder Hecheln.

In Abb. 94 ist die Seitenansicht
eines menschlichen Gehirns mit den wichtigsten Gehirnteilen zu sehen.
Der untere Teil des Zwischenhirns ist der Hypothalamus.

_cutaway - Energieumsatz: Grund-und Leistungsumsatz beim Menschen

Gleichwarme haben im Mittel eine 5 fach höhere Stoffwechselgeschwindigkeit
als Wechselwarme bei gleicher Körpergröße und eine deutlich
höhere Nahrungsaufnahme. Je nach Klimazone gibt es auch spezielle
Anpassungen.

Kalte Zonen:

Säugetiere und Vögel sind in kalten
Zonen meist größer wie in warmen. So wird durch eine Verkleinerung
des Oberflächen/Volumen-Verhältnises
der Wärmeverlust gering gehalten. Auch die Extremitäten
sind kleiner. Durch Gegenstrommultiplikation (enge Lage der absteigenden
und aufsteigenden Blutgefäße und gegenseitige Erwärmung)
in den Beinen der Vögel in extrem kalten Gebieten wird der Auskühlung
der Extremitäten entgegengewirkt.

Einige “Warmblütler”
erzeugen nicht genügend Wärme, um unabhängig von der Außentemperatur
zu sein. Sie lösen dieses Problem durch
Winterschlaf.
Dabei wird die Körpertemperatur signifikant gesenkt, was drastisch
Energie einspart. Am Ende des Winterschlafs muß die normale Körpertemperatur
schnell wieder hergestellt werden.

Abb. 95
zeigt die Körpertemperatur im Vergleich zur Stoffwechselgeschwindigkeit
im Winterschlaf zu sehen.

Winters - Energieumsatz: Grund-und Leistungsumsatz beim Menschen

Warme Zonen:

In heißen Gegenden ist die Kühlung das größte
Problem. Die Extremitäten sind größer und dünner
mit guter Durchblutung wie z. B. die Ohren der Elefanten. Kamele sind
ein besonderes Beispiel, da sie nicht schwitzen, womit ein wichtiges Kühlsystem
des Körpers nicht vorhanden ist. Sie halten deshalb große Temperaturschwankungen
ihrer Körpertemperatur von 36°C in den Nächten bis 40°C
am Tag aus.

wechsel2 - Energieumsatz: Grund-und Leistungsumsatz beim Menschen

Die wechselwarmen
Organismen (Fische, Amphibien,
Reptilien und Wirbellose) sind von der Außentemperatur abhängig
(siehe Abbildung links), deshalb nennt man sie auch Ectotherm.
Wechselwarme Organismen oder poikilotherme
produzieren weniger eigene Wärme und müssen deshalb
warme Orte aufsuchen. Wird die Außentemperatur zu kalt verfallen
sie in Winterstarre. Ihre Haut besitzt
kein Unterhautfettgewebe als Wärmeschutz und keine Schweißdrüsen
zur Thermoregulation. Auch ein Regulationszentrum im Gehirn fehlt.

Wie man dem Diagramm rechts entnehmen kann, paßt
sich der energiegewinnenende Stoffwechsel der Maus je nach Außentemperatur
an. Der Stoffwechsel der Eidechse ist völlig von der Außentemperatur
abhängig.

Viele Wechselwarme wie Spinnen und Insekten haben sich
auch an Temperaturen unter 0°C angepaßt, indem sie Glycerin
oder Antifrost-Proteine produzieren.

Schmett - Energieumsatz: Grund-und Leistungsumsatz beim Menschen

In Abb. 97 ist die Körpertemperatur
bei Fischen ( Thunfisch) zu sehen, unten bei Schmetterlingen.


Energieeinheiten

Definition von J (Joule):
Abgeleitete SI-Einheit der Energie, der Arbeit und der Wärmemenge.
Es gilt:
1 J = 1 N x m = 1 W x s = 1kg x m2x s-2

Nicht mehr DIN-konforme, aber noch häufig verwendete Einheit
der Energie ist die Kalorie:
1 cal = 4,187
J
1 J = 0,239
cal

Definition: “Eine
Kalorie ist die Wärmemenge, die erforderlich ist, um ein
Gramm Wasser von 14,5 auf 15,5 °C zu erwärmen.”

 


BMR und BMI

Grundumsatz=
ist der Energiebedarf zur Aufrechterhaltung der Körperfunktionen,
gemessen in Ruhe, liegend, bei 20 Grad C, 12 Std. nach Nahrungsaufnahme.BMI= Body Mass Index =
Gwicht proGröße2.
BMR = Basic Metabolic Rate
= Grundumsatz.

Abgemagert = <
15 BMI
Anorexia n.= < 17.5 BMI
Untergewicht = < 19 BMI

Normal = 19 – 24 BMI
Übergewicht = 25 – 29 BMI
Fettleibig = 30 – 39 BMI
Krankhaft fettleibig= 40+ BMI

Quelle: DGE, Ernährungsbericht 1992

 

Leistungsumsatz
beim Mensch:

Pro Stunde verbraucht man bei folgenden Tätigkeiten
etwa:

Wäsche bügeln 60 kcal
Schwimmen 120 kcal
Gehen 90 kcal
Putzen 120 kcal
Rad fahren (10 km/h) 90 kcal Tischtennis 120 kcal
Fenster putzen 90 kcal
Tanzen 180 kcal
Staub saugen 90 kcal
Laufen (9 km/h) 180 kcal
Gymastik 120 kcal
Rad fahren (20 km/h) 240 kcal
Treppensteigen 270 kcal

 

 

 

 

 

 

 


Abb.86

Antoine Laurent Lavoisier
(1743-94)
lavoisir - Energieumsatz: Grund-und Leistungsumsatz beim Menschen

 


Abb. 87
Kalorimeter

calorim2 - Energieumsatz: Grund-und Leistungsumsatz beim Menschen1 Motorrührer
2 Anschlüsse zur Zündung
3 Thermometer
4 Isoliertes Gehäuse
5 Sauerstoffeinlaß
6 Kalorimetrische Bombe
7 Zünddraht
8 Probengefäß
9 Wasser
 

 


Abb. 88
Dissimilation

Abb.89

indirekte Kalorimetrie
icalor1 - Energieumsatz: Grund-und Leistungsumsatz beim Menschen
Grundumsatzmessung

icalor2 - Energieumsatz: Grund-und Leistungsumsatz beim Menschen

Leistungsumsatzmessung

Was ist eine Spirometrie?

Die Spirometrie ist ein Verfahren zur Lungenfunktionsprüfung.
Dabei werden Lungenvolumina gemessen und graphisch im Spirogramm
dargestellt.

 

 

 


Anteil verschiedener Organe am Grundumsatz
in % (Mensch)
 

Leber = 26
Gehirn =18
Nieren = 7
Muskel = 26
Herz = 9
Rest = 14


Das ZNS benötigt 125 g Glucose/Tag

 


Abb. 90
direkte
Kalorimetrie bei einer Maus
 


Abb.91

RQ
rq2 - Energieumsatz: Grund-und Leistungsumsatz beim Menschen

KH = 1
Fett = 0,7
Protein = 0,8

 

 


Berechnung

CO2-Atmung
Organismen

CO2-Atmung Bodenorganismen
in Deutschland

 


Abb.92

Kleibers Gesetz

 


Tier

K

K0,75
Ectoterm

10

5,6
Beuteltier

49

18,5
Säugetier

72

24,7
Laufvögel

78

26,2
kleine Flugvögel

129

38,2

Bemerkung:
Die Zahlen oben gelten nicht für sehr
kleine Tiere, wie Mäuse oder Hummeln, da diese eine große
Oberfläche im Vergleich zum Volumen haben und viel Wärme
verlieren.

Weiterhin gelten die obigen Zahlen nicht für Tiere in sehr
kalten Klimaten oder sehr aktive Tiere wie Rennpferde.

 

 


Abb. 93

Differenzierung
und Energieverbrauch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Abb. 94

Temperaturregelung bei Vögeln

täglicher
Energieverbrauch
der Spottdrossel ( Mimus polyglottos)

Futtersuche 32%
Fliegen 6%
Singen 40%
Sonstiges 22%

Aus Studien von in Käfigen gehaltenen Vögeln
weiß man, daß der Gesamtenergieverbrauch = 30.3 Kcal/Tag
ist . Eine grobe Schätzung ergibt, daß die Futtersuche
= 3.4x BMRl, Fliegen = 2.2x und Singen = 1.4x.

Daraus kann man ableiten:

Futtersuche

32% x 30.3 x 3.4 = 32.9 Kcal/Tag

Fliegen
6% x 30.3 x 2.2 = 3.99 Kcal/Tag

Singen
40% x 30.3 x 1.4 = 16.96 Kcal/Tag

Sonstiges
22% x 30.3 x 1 (mind.)= 6.7 Kcal/Tag

d.h. 60.55 Kcal/Tag

 

 

 

 


Abb. 95

Aufbau der Haut

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Abb. 96

Seitenansicht des menschl. Gehirns

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Abb. 97

Winterschlaf

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Abb. 98

Vergleich
Ectotherm – Endotherm


wechsel - Energieumsatz: Grund-und Leistungsumsatz beim Menschen
 

 

 


Abb. 99

Körperthemperatur bei Fischen


Fische - Energieumsatz: Grund-und Leistungsumsatz beim Menschen
 

 

Weiterführende Quellen:

Energiebedarfsberechnunghttp://www.uni-hohenheim.de/~wwwin140/info/energie.html
Thermoregulationhttp://www.enw.org/Research-GeriTherm.htm

http://www.outcomes.ucsf.edu/slides/thermo/index.htm
http://www.canisius.edu/~morriss/bio102/study40a.html
http://www.utexas.edu/courses/herps/ryan/thermoreg.html
http://www2.trincoll.edu/~odonnell/152/thermoreg.outline.html
http://biology.uoregon.edu/Biology_WWW/Biospheres/winter95/M.Markum.html
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