Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation

2.4Mikroorganismen
  2.4.1Allgemeines
  2.4.2Protisten
  2.4.3Bakterien,
Allgemeines
2.4.3.2
Einteilung der Bakterien;
2.4.3.3 Taxonomie; 2.4.3.4
Stoffwechsel, 2.4.3.5 Antibiotikaproduktion
2.4.3.6
Wachstum
und Kultivierung, 2.4.3.7 Sterilisation;
2.4.3.8 Bemerkenswerte pathogene
Bakterien
2.4.4Viren
2.5Biotechnologie
  2.5.1Apfelwein und seine Herstellung
  2.5.2Käseherstellung
Glossar Dissimilation und Mikroorganismen

 

2.4 Mikroorganismen
(Teil 2)
2.4.3 Bakterien

Man ordnet derzeit alle Bakterien in 2 Gruppen ein:


Archäbakterien (Archäa) und Eubakterien.

monera - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation

Die Verwandschaft zu den anderen Organismen zeigt folgended
Tafel:


bdl - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation

Von den Archäbakterien
gibt es 3 Stämme:

Halophilein Salzstöcken lebende Bakterien
Thermoacidophile BakterienBakterien, z. B. die in heißen Quellen bei ca. 100°C
leben
MethanbildnerMethan-produzierende Bakterien

Archäbakterien
sind winzige einzellige, runde, stäbchenförmige und fadenförmige
Bakterien, die an extremen Standorten leben. Prinzipiell besitzen sie
den typischen prokaryontischen Aufbau. Der Aufbau unterscheidet sich jedoch
von den Eubakterien. Z.B. sind Zellwand und Zellmembran aus anderen
Stoffen
als bei Bakterien und Eukaryonten aufgebaut. Die Membranlipoide
sind u.a. mit Isopren verethert, was ihnen ander chemische Eigenschaften
gibt.
Bei Methanothermus fervidus (Abb.
52
) besteht die Zellwand aus einem Pseudomureinsacculus (=Peptidoglycan)
in 2 Schichten, die extrem Hitzbeständig ist. Das Bakterium wurde
aus 60-97 °C heißen Quellen in Island isoliert und reduziert
CO2 zu Methan (= Methanbildner) weiterhin Schwefel zu H2S.

archaea - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation

Bemerkenswert sind auch die halophilen (= salzliebenden)
Bakterien unter den Archäbakterien. Sie können wie Halobacterium
salinarum
in konzentrierter Salzlösung überleben, was
normalerweise bei jeder anderen Zelle zur Plasmolyse und dem Tod führt.
Die Abb. 53 zeigt eine Saline mit Kolonien von Halobacterium salinum,
erkennbar an der roten Farbe. Diese rührt von speziellen photosynthetisch
aktiven Pigmenten wie Bacteriorhodopsin. Einen ähnlicher Farbstoff
findet man auch in Sehzellen.

Die Eubakterien
unterteilt man in Bakterien und
Cyanobakterien.

Die Einordung der Bakterien hat sich seit der Entdeckung
der Archäbakterien stark geändert. Manche Wissenschaftler ordnen
die Archäbakterien sogar einem eigenen, 6. Reich zu.

Die Eubakterien
kann man aufgrund ihrer DNA- und Ribosomenstruktur in folgende Stämme
unterteilen:


Thermatogales

Cyanobakterien

Grüne Nichtschwefelbakterien

Purpurbakterien

Grüne Schwefelbakterien

Gram-positive Bakterien

Flavobakterien

Spirochäten

Deinococcus-Thermus

Nachfolgend soll jeweils eine Art eines Stamms vorgestellt
werden:

Thermatogales

Thermatogales
wie Fervidobacterium islandicum
sind thermophile, anaerobe, stäbchenförmige Gram-negative
Bakterien (65-90°C), die Gärung betreiben und an geothermisch
Standorten isoliert werden können.

Grüne Nichtschwefelbakterien

Grüne
Nichtschwefelbakterien
wie Thermomicrobium
spec.
oder
Chloroflexus spec.
sind thermophile (75°C),
stäbchen- oder fadenförmige Organismen. Sie leben aerob, hetreotroph
und phototroph. Man findet sie in heißen Quellen.

Grüne Schwefelbakterien

Grüne
Schwefelbakterien
wie Chlorobium spec.
sind Bakterien, die H2S als
Elektronenquelle bei der Photosynthese benutzen. Sie kommen im Meer und
Süßwasser vor und bilden Schwefelpartikel.

Flavobakterien

Flavobakterien
wie Cytophaga spec. sind obligate,
aerobe Gram-negative, nichtsporenbildende, nichtbewegliche gelb gefärbte
Stäbchen. Sie leben im Boden oder in den Schleimhäuten der Säugetiere
und sind resistent gegen viele Antibiotika. Bekannt sind sie u.a. durch
ihren Abbau von DNA, RNA, Protein, Cellulose, Chitin, Agar, etc .


!cytopha - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation

!nostocs - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation

!rhodops - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation

Cytophaga spec.

Nostoc.spec.

Rhodopseudomonas spec.

Cyanobakterien

Cyanobakterien,
wie Nostoc spec. können Photosynthese machen, enthalten die
Farbstoffe Phycocyanin und Chlorophyll. Sie können N2
fixieren und leben oft in Symbiose mit Kormophyten, Farnen in Flechten
und Pilzen. Man findet sie auch oft in Gewächshäusern, Brunnen
und planktonisch in allen Meeren.

Purpurbakterien

Purpurbakterien,
wie Rhodopseudomanas spec. leben
im Wasser und führen Photosynthese unter Oxidation von H2S
als Elektronenquelle durch.

Gram-positive Bakterien

Gram-positive
Bakterien
, wie Lactobacillus Bulgaricus
sind Bacillen, die wie Clostridien Endosporen bilden. Im allgemeinen
Sprachgebrauch steht Bacille für krankheitserregend, jedoch ist nur
ein kleiner Teil der Bacillusarten pathogen. Andere Mitglieder der Gruppe
sind Bacillen, Milchsäurebakterien, Mycoplasmen, Clostridien,
Staphylococcen, Enterococcen. Dazu gehört auch Bacillus megatherium,
ist eines der größten Bakterien mit einer Zellbreite von ca.
1,5 mm.

Lactobacillus delbrueckii
subsp. bulgaricus
, und Streptococcus
salivarius subsp. thermophilus
sind durch ihre Rolle bei der Yoghurtherstellung
bekannt. Beide Milchsäurebakterien verarbeiten Milchzucker zu Milchsäure
(Milchsäuregärung). Dadurch wird der pH-Wert herabgesetzt und
die Gerinnung des Milchproteins Casein verursacht. Industriell wurde in
Europa seit 1919 Yoghurt durch Isaac Carosso, dem Gründer von Danone
in Spanien hergestellt.

isacar - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation

Spirochäten

Spirochäten
wie Leptospira spec. sind lange, flexible, spiralige Bakterien mit Axialfilament,
die als aerobe Wasserbewohner in Teichen und Seen leben. Einige Mitgieder
sind pathogen bei Mensch und Tieren.

Deinococcus-Thermus

Zu diesm Stamm gehören Bakterien, die für die
moderne Gentechnik sehr interessant sind, z.B. Thermus
thermophilus.
Thermus ist extrem thermophil und lebt in heißen
Quellen in Temperaturen von 50 bis 85 °C. Er ist ein gram-negatives,
nictsporenbildendes Stäbchen und wegen der Thermophilie und der großen
Fähigkeit zur Transformation ( = Aufnahme von Erbgut) ein Modellorganismus
in der Gentechnik.

2.4.3.4 Stoffwechsel

Man findet nahezu alle bekannten Stoffwechselwege schon
bei Bakterien. Auch extreme Umwelt- und Nährstoffbedingungen stellen
für einzelne Bakterienarten kein Problem dar.

Es gibt autotrophe, heterotrophe, aerobe, anaerobe,
photosynthetische, eisenfressende, magnetische, salzliebende, wärme-
und säureliebende Bakterien. Einige haben sich sowohl an arktische
Bedingungen oder 100° C oder an Drücke über 300 bar angepaßt.

GärungViele Bakterien z.B. die Milchsäurebakterien , Enterobacteriaceae
( Darmbakterien wie E. Coli) und viele Bacillusarten
wie das Bodenbakterium Bacillus subtilis und Clostridien
können ohne Sauerstoff durch Gärung
Energie gewinnen. Zu den gärendenden Enterobakterien gehören
auch Salmonella typhimurium (Erreger der Nahrungsmittelvergiftung)
und Shigella dysenteriae (Erreger der Ruhr und Diarrhoe).
Zellatmung

anaerobe Zellatmung

Neben der bei Tieren, Pflanzen und Pilzen üblichen aeroben
Zellatmung, bei der Elektronen und Wasserstoff
auf O2 übertragen werden, können viele Bakterien
eine anaerobe Zellatmung durchführen,
bei denen der Elektronenakzeptor nicht O2 sondern Nitrat
( Nitratatmung) oder Sulfat (Sulfatatmung) ist. Man
spricht hier von Denitrifikation und Desulfurikation.
Diese Vorgänge spielen beim N- und S-Kreislauf im Boden eine
wichtige Rolle.Z.B. E.Coli und viele Bodenbakterien (z. B.
Micrococcus denitrificans) können Nitrat (NO3)
zu N2 umwandeln. Desulfovibrio kann aus SO42-
H2S ( im Faulgas) synthetisieren. Die größten
Schwefelvorkommen in den südlichen USA und Mexiko sind biologischen
Ursprungs aus Erdgeschichte.
Nitrifikation

Sulfurikation

Die Nitrifikation
durch Nitrosomonas und Sulfurikation
durch Thiobacillus ist hier
schon behandelt worden. Bemerkenswert hier ist Thiomargarita
namibiensis
, das größte Bakterium dieses Planeten,
das sowohl Sufid als auch Nitrat verarbeiten kann. (siehe unten)
Photosynthese

Photosynthetische
Bakterien
sind typischen Wasser-organismen, wie z.B. die
schwefelfreien ( Rhodospirillum rubrum) und Schwefel-Purpurbakterien
( Thiospirillum jenense)

N2-FixierungAuch die N2-Fixierung
durch Azotobacter und Cyanobakterien wurde
hier
schon besprochen.
Spezialisten

 

Daneben gibt es viele Spezialisten, die Naturstoffe abbauen können
wie z. B. Ruminococcus flavefaciens (im Pansen der Wiederkäuer,
baut Cellulose ab)
Pektin wird durch Bacillus polymyxa abgebaut.
Holz (Lignin) kann von Pilzen und Flavobakterien abgebaut
werden.
Pseudomonaden oxidieren kurzkettige Kohlenwasserstoffe
(Methan, Ethan, Propan, Butan) Corynebakterien und Mycobakterien
langkettige und Aromaten (Erdöl).

Das größte Bakterium dieser Erde ist
so groß wie der Kopf einer Fruchtfliege:
Thiomargarita
namibiensis.
Es gehört zu der
Beggiatoales und ist mit Thioploca und Beggiatoa verwandt. Die
in fädigen Kolonien am Meeresboden lebenden Riesenbakterien besitzen
einen Durchmesser von bis zu 0,75 mm und vermögen Sulfid und Nitrat
zu speichern. Der größte Teil der Zelle (98%) ist von einer
flüssigkeitsgefüllten Vakuole ausgefüllt, die Nitrat in
einer 10.000 fach höheren Konzentration enthält, als das umgebende
Seewasser. Nitrat wird benötigt, um das Sulfid zu oxidieren. Dies
ist anaerob keinem anderen Bakterium möglich.

Die kleinsten Zellen sind übrigens ebenfalls Bakterien:
Mycoplasmen (ca. 50 nm) in der Größe
von Pockenviren. Sie besitzen im Unterschied zu allen anderen Bakterien
keine Zellwand und sind deshalb
nicht für Zellwand-Antibiotika wie Penicillin empfindlich bzw. lassen
sich auch nicht mir dem GRAM-Farbstoff anfärben. Ihre Form ist sehr
variabel.
Man kennt ca. 200 Arten, die strikt parasitisch leben. Gut untersucht
ist M. pneumoniae, das ein Art Lungenentzündung
hervorruft. Sie befallen oft Schleimhäue, weshalb man sie im Atemwegstrakt
und Urogenitalsystem findet.

.

2.4.3.5 Antibiotikaproduktion

Bacteriostatica) und tötende
(bacterizide) Wirkung.

Neben Pilzen der Gruppe Aspergillus produzieren
vor allem Streptomyceten (fädige, koloniebildende Bakterien,
siehe
Abb. 62)
Antibiotika:

Streptomycin, Chloramphenicol,
Tetracycline, Actinomycin und Polypeptidantibiotika.

2.4.3.6 Wachstum und Kultivierung

Die Wachstumskurve der Bakterien in einer Kultur wurde
hier behandelt. Unter optimalen
Bedingungen zeigen Bakterienkulturen exponentielles Wachstum.

Um Bakterien zu untersuchen, hat
man synthetische Nährböden entwickelt und überimpft ein
wenig natürlichen Boden oder Wasser mit den vermuteten Bakterien
auf dieses Nährmedium. Ein solches Nährmedium könnte wie
folgt zusammengesetzt sein:

K2HPO40,5 g  K und Phosphatquelle für Enzyme, ATP, DNA, NAD uusw.
NH4Cl1 g  Stickstoffquelle für Aminosäuren usw.
MgSO40,2g  Schwefelquelle für Aminosäuren, Mg für Enzyme
FeSO40,01  Fe für Cytochrome
CaCl20,01  Kalzium für Enzyme
Glucose10g  als Energiequelle
Wasser1 l  Medium
Spurenelemente-Stammlösung1ml  als Kofaktoren für Enzyme

Darüber hinaus benötigen viele Bakterien ein
Vitamingemisch aus Biotin (H),
Nicotinsäure( B3), Thiamin (B1), p-Aminobenzoesäure, Pantothensäure,
Pyridoxamin (B6) und Cyanocobalamin (B12).

Daneben stellt man komplexe Nährböden aus
Hefeextrakt, Pepton oder Fleischextrakt, Malzextrakt, Pflaumensaft
usw.
her. Zur Herstellung fester Nährböden werden den flüssigen
Nährlösungen Verfestigungsmittel zugesetzt, die der wässrigen
Lösung geleeartige Konsistenz verleihen. Dazu wird seit Robert Koch
(1883) ein komplexes Polysaccharid aus Meeresalgen verwendet: Agar.
Er wird in 1-2% zugesetzt und unterhalb 45°C fest. Es gibt nahezu
kein Bakterium, was Agar abbaut.

Zu den Wachstumsbedingungen
gehören ein bestimmter pH-Wert (meist pH 7 oder höher) und eine
bestimmte Bebrütungstemperatur. Da die meisten Boden- und Wasserbakterien
Thermophile
Bakterien benötigen Temperaturen oberhalb 45°C, denen die psychrophilen,
meist marinen Bakterien gegenüberstehen, deren Optimum unter 20°C
liegt.

Aerobe Bakterien können an der Oberfläche
von Agarplatten, anaerobe in luftdicht,
O2-freien und mit Nährlösung gefüllten Flaschen
kultiviert werden. Größere Mengen werden in sog. Fermentern
angereichert.

autocl3 - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisationferment - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation

2.4.3.7 Sterilisation

Die Abtötung von Mikroorganismen ist die Grundlageder
mikrobiologischen Arbeitsmethoden, der Medizin, der Industrie und der
Nahrungsmittelkonservierung.

Begriffe:
Die Befreiung eines Materials von lebenden
Mikroorganismen und deren Ruhestadien bezeichnet man als Entkeimung oder
Sterilisation.
Davon unterschieden ist die Teilentkeimung (Pasteurisierung)
und die Konservierung.

Wird eine Material oder eine Nährlösung durch
einen fremden Mikroorganismus verunreinigt, spricht man von Kontamination.
Unter Desinfektion versteht man die Abtötung
aller pathogenen Mikroorganismen. Als Keime
werden Bakterien bezeichnet, ohne sie genau zu definieren.

Methoden:
Grundsätzlich kommen folgende Methoden zur
Anwendung:

  • Feuchte Hitze,
  • trockene Hitze,
  • Filtration,
  • Strahlung,
  • Chemikalien

1. Feuchte Hitze (unter Druck)

Die vegetativen Zellen von Bakterien und Pilzen werden
schon bei Temperaturen um ca. 60°C innerhalb von 5-10 Minuten abgetöt,
Hefe und Pilzsporen erst oberhalb 120°C (15 Min).
In Kliniken werden 5 Minuten bei 134°C
empfohlen, um auch besonders hitzeresistente Sporen abzutöten (Bacillus
stearothermophilus). Um Temperaturen oberhalb des Siedepunktes von Wasser
zu erreichen, benutzt man sogenannte Autoklaven.
Dies sind Geräte ähnlich einem Dampfdrucktopf in der Küche.

In Abb. 65 ist ein solcher
Autoklav abgebildet. Mit ihm können medizisches Besteck, Reagenzgläser
oder größere Gefäße sterilisiert werden. Die Abtötung
hängt von der Temperatur und nicht vom Druck ab. Deshalb wird meist
Vakuum angewendet. Die Dauer hängt von der Größe der zu
sterilisierenden Geräte ab:

  • Reagenzgläser (20 ml) ca. 15 Min (123°C)
  • Erlenmeyerkolben (2 l ) ca. 55 Min (123°C)

Für viele Zwecke reicht eine Teilentkeimung., also
nur Abtötung der Zellen. Dies wird durch Pasteurisieren
erreicht. Dabei wird 5-10 Min auf 75-80°C erhitzt. Auch die Milch
wird pasteurisiert. Um den Geschmack nicht zu stark zu verändern
werden kürzere Einwirkzeiten angewandt:

  • Kurzzeiterhitzung 20 Sekunden auf 71-75 °C
  • Hocherhizung 2-5 Sekunden auf 85-87 °C

Eine Sterilisation
der Milch wird durch Ultrahocherhitzung mit überhitztem Wasserdampf
(Gemisch bei ca. 135-150°C) 1-2 Sekunden erreicht.

Konservierung von Obst und Beeren
ist ebenfalls ein Teilentkeimungsverfahren, da bei der üblichen 20
minütigen Erhitzung der Einweckgläser nur vegetative Formen
abgetötet werden, Bakteriensporen bleiben erhalten. Die Fruchtsäuren
unterbinden eine Keimung der Sporen.

Um die Prionen,
die für die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit oder BSE verantwortlich sind
zu zerstören, ist 4,5-stündiges Autoklavieren bei 132o
C notwendig.

2. Trockene Hitze
Durch trockene Hitze werden Sporen erst bei höherer Temperatur
abgetötet. Deshalb sollte das Sterilisiergut z. B. in Kliniken mindestes
60 Minuten auf 180°C oder 120 Minuten
auf 160°C erhitzt werden. Erst dann denaturieren die Proteine irreversibel.

BakterienEinwirkzeiten 150°CEinwirkzeiten 180°C
Bacillus antracis60-120 Minuten3 Minuten
Clostridium botulinum25 Minuten5-10 Minuten
Clostridium tetani30 Minuten1 Minute
Bodenbakterien180 Minuten15 Minuten

3. Filtration
Thermolabile
Lösungen können auch durch Anwendung von
Mikrofiltern

entkeimt werden. Zur Verwendung kommen z. B. bei der Trinkwasserentkeimung
Filter aus Kieselgur oder Kunststoff mit Porengrößen von 0,22
bis 0,45 mm.
Bakterientoxine
können
jedoch so nicht entfernt werden
.

4. Strahlung
Zur Anwendung kommen UV-, Röntgen- und
Gammastrahlung
.

Die sterilisierende Wirkung kommt durch Erzeugung von
Mutationen und Zerstörung der DNA zustande.

UV-Licht wird meist mit einer Wellenlänge
von 260 nm verwendet, was von der DNA absorbiert wird und bei längerer
Anwendung zum Tod aller Bakterien führt.

Röntgenstrahlung
hat eine Wellenlänge von 10-8 -10-10 m,
Gammastrahlung
10-10 – 10-14 m.

Als Quelle für Gammastrahlung wird Cobalt 60 oder
Cäsium 137 verwendet. (beides Produkte der Kernspaltung aus Reaktoren)

Beide Strahlungen wirken ionisierend
auf Inhaltstoffe der Mikroorganismen. Unter anderem entstehen aus Wasser
freie H- und O-Radikale und H2O2, Wasserstoffbrücken
in Proteinen werden zerstört und Basen in den Nukleinsäuren
verändert.

Die Wirkung auf Mikroorganismen läßt sich
durch D10-Werte
erfassen (Notwendige Dosis zur Reduktion der Population auf 1/10).
Die Einheit ist Gray (1 Gy= 10 000 erg absorbierte Energie/g Medium).
Übliche Dosen für Sporenbildner sind 25 KGy.

5. Chemikalien
Thermosensible Geräte oder Bereiche werden
mit Chemikalien wie
Ethylenoxid
(Ethenoxid),
Ozon
oder
Formaldehyddampf
sterilisiert.

Ethylenoxid wirkt nur in
Gegenwart von Wasser (5-10%) und wird im Gemisch mit N2 und
CO2 angewandt. (2-60 % Ethylenoxid)

Ozon wird
z.B. zum Sterilisieren der Anlagen in der Geflügelzucht (Listeria)
oder Verbesserung der Hygiene in Erdölplattformen und Desinfektion
des Wassers in der fischverarbeitenden Industrie und Schwimmbädern
verwendet.

ozonator - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation

2.4.3.8 Bemerkenswerte pathogene Bakterien

Pathogene Bakterien findet man bezüglich aller
Organismengruppen, z.B. Tiere/Mensch, Pflanzen, Pilze.

Mensch/Tier

 

 

 

 

 

 

 

 


Abb. 51

Archäa

msarc - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation

ein Kolonien bildendes, sehr
vielseitiges, methanbildendes Archäbakterium, das in Ölquellen,
auf verrottenden Blättern und in Kuhmägen lebt. Das recht
große Genom wurde kürzlich mit 5,7 Millionen Basenpaaren
bestimmt.

 


Abb. 52
Aufbau
von Archäa
 


Abb. 53
Saline
mit Halobacterium s.
 

Hsalsal - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation

 

 


Abb. 54
 

Fervidobacterium

 

!fervido - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation
F. islandicum

 

 

 


Abb. 55
 

Chloroflexus
spec.

 

chlorof - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation
Chloroflexus spec.

 

 

 


Abb. 56
 

Chlorobium

 

chlorob5 - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation
Yellowstone Park (USA)

 

 

 


Abb. 57
 

Lactobacillen

 


lctba - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & SterilisationIlya Mechnikov erhielt 1908 den Nobelpreis für seine Entdeckung
der Phagozytose. Er beschäftigte sich später mit Milchsäurebakterien
in dietetischen Lebensmitteln zur Verbesserung des Wohlbefindens.
Somit ist er der Vater der Probiotik. 

 

 

 


Abb. 58
 

Spirillen

 


!leptosp - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation 

 


Abb. 59
 

Thermus

 


thermust - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation 

 

 

 

 

 

 


Abb. 60
Thiomargarita
namibiensis
 

Thiomar1 - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation

thmn - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation

 


Abb. 61
Mycoplasma
pneumoniae.
 

mplasma4 - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation

 


Abb. 62
Streptomyces
spec.
 

streptom - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation

 


Abb. 63
 

Ausstrich von Pseudomonas aeruginosa
auf einer Agarplatte

 

psaerug - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation

 

 

 


Abb. 64
Kontaminiertes
Schneidbrett
 

kont1 - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation

oben ein Schneidebrett, kontaminiert
mit Bakterien und Pilzen.

 


Abb. 65
Autoklav
– Fermenter
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Abb. 66
Prionen

prion8 - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation

Prionen sind infektiöse, krankmachende
Proteine. Durch Konformationsänderung wird aus dem harmlosen
ein pathogenes Eiweiß.

 

 

 


Abb. 67
UV-Absorption
DNA
 

adna3 - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation

 

 

 


Abb. 68
Ozonator
zur Sterilisation
 

ozon8 - Archäbakterien & Eubakterien: Stämme, Wachstum & Sterilisation

 

 

Bakterium

Krankheit

Symptome
Salmonella spec.S. typhi = Typhus Krämpe, Durchfall, Fieber, Kopfschmerzen
Staphylococcus aureusLebensmittelvergiftungErbrechen, Krämpfe durch Enterotoxin
Campylobacter jejuniCampylobacteriosis Blutiger Durchfall, Fieber, Muskel-Kopfschmerz
Listeria monocytogenesListeriosisHirnhautentzündung u.a.
Vibrio cholerae

Vibrio parahaemolyticus

Vibrio vulnificus

Cholera

Gastroenteritis

Wundinfektion, Gastroenteritis

Durchfall, Krämpfe Erbrechen, Schock durch Toxin

Fieber, Krämpfe, Kopfschmerzen, Erbrechen

Neisseria gonorrhoeaeGonorrhö (Tripper)Geschlechtskrankheit
Clostridium botulinum

Clostridium tetani

Clostridium perfringens

Botulismus (Lebensmittel)

Wundstarrkrampf

Lebensmittelvergiftung

sehr starkes Neurotoxin (ng sind wirksam)
Schwäche, Seh-, Sprach-, AtemstörungenUnterleibskrämpfe und Durchfall durch Toxinbildung
Bacillus cereusLebensmittelvergiftungToxin verursacht Durchfall und Bauchschmerzen
Bacillus anthracisMilzbrand bei Säugetieren/Vögel und MenschPustel auf der Haut, hohes Fieber; kann durch Atemstillstand tödlich
sein
Bacillus thuringensiswirkt insektenpathogen z. B. gegen Raupen und Kartoffelkäfer
Escherichia coli – (EEC)GastroenteritisFieber, Krämpfe, Kopfschmerzen, Erbrechen
Streptococcus pyogenes

S. faecalis, S. faecium, S. durans, S. avium, und S. bovis

Scharlach

—-

Hohes Fieber, Kopfschmerz, Mandelentzündung, Erbrechen

Durchfall, Krämpfe, Erbrechen, Fieber

Yersinia enterocolitica und pestisY.pestis = Pest
Ansteckung durch FlohsticheY. ent. = Yersiniosis
(Magen/Darmentzündung)
Ansteckung durch kontaminierte Nahrung
Toxin blockiert Atmungskette; Schwellung der Lymphknoten, Hautblasen,
Dilirium, Tod nach ein paar Wochen; Hilfe durch Streptomycinkann Darmwand durchdringen und in Blut und Lymphe eindringen, Entzündung
der inneren Organe, Schmerzen durch Enterotoxin
Plesiomonas shigelloidesGastroenteritis
Ansteckung durch verunreinigtes Wasser
Fieber, Krämpfe, Kopfschmerzen, Erbrechen
Shigella spp.ShigellosisDurchfall, Krämpfe, Erbrechen, Fieber
Treponema pallidumSyphilisGeschlechtskrankheit
Bordetella pertussisKeuchhusten
Helicobacter pyloriGastritisMagenschleimhautentzündung
Aeromonas hydrophila and other spp.

Gastroenteritis
Ansteckung durch verunreinigtes Wasser

Durchfall, Krämpfe, Erbrechen, Fieber
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